Taschner: "Arbeit ist mir nicht Last, sondern Muße"

1. September 2008, 17:00
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    foto: apa/artinger

    Der Mathematiker Rudolf Taschner wurde 2004 zum "Wissenschafter des Jahres" gekürt.

"Mr. Mathematik" Rudolf Taschner arbeitet "168 Stunden pro Woche" - Als Kind wollte der Uniprof. Schaffner werden, meint er im Karriere-Telegramm

Rudolf Taschner, Mathematiker und Betreiber des "math.space", arbeitet "168 Stunden in der Woche". Der 55-jährige Universitätsprofessor wollte als Kind Schaffner werden: "Weit reisen können und dafür nur Löcher in Fahrkarten zwicken." Sein berufliches Credo laute "Liebe, und tu, was du willst", so Taschner im Karriere-Telegramm.

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Rudolf Taschner aus?

Taschner: Gott sei Dank ist jeder Tag völlig neu.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Taschner: Lassen Sie mich rechnen: Die Woche besteht aus sieben Tagen und jeder Tag aus 24 Stunden: Also "arbeite" ich 7 mal 24, d.h 168 Stunden in der Woche. Dies deshalb, weil ich das Privileg besitze, dass ich, selbst wenn ich schlafe, glücklich bin, wenn ich mich meiner Arbeit widmen kann. Denn Arbeit ist mir nicht Last, sondern Muße.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Taschner: Weil nur der liebe Gott meine Tätigkeiten überwacht und - hoffentlich barmherzig - beurteilt, bin ich ganz entspannt.

derStandard.at: Welches Rezept haben Sie, um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen?

Taschner: Meine Frau und meine Kinder verstehen mich - dies ist ein großes Prvileg, das ich schamlos ausnütze.

derStandard.at: Welche Rolle spielen für Sie berufliche Netzwerke beim Erklimmen der Karriereleiter?

Taschner: Ich weiß nicht: bin ich Spinne oder Fliege in diesem Netz?

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg bzw. Karriereflop?

Taschner: Wer mag das beurteilen. Jedenfalls nicht ich.

derStandard.at: Wie lautet Ihre berufliche Devise?

Taschner: "ama, et fac quod vis" (stammt vom heiligen Augustinus, übersetzt: "Liebe, und tu, was du willst")

derStandard.at: Haben sie ein berufliches Vorbild?

Taschner: In der Wissenschaft: Edmund Hlawka, Johann Cigler und Roman Schnalbl (alle drei Mathematiker), Kurt Komarek (ein hinreißender Vortragender, Professor für Chemie). In der Vermittlung beim Versuch, die Welt zu verstehen: Heinz Haber (ein Astronom, Geophysiker und phantastischer Vortragender, der bei Walt Disney, dem Genie des Erzählens von Geschichten, sein Handwerk lernte)

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Taschner: "Geben Sie Gedankenfreiheit, Sir" - und jenen, die uns das Denken lehren, Sicherheit. Freiheit und Sicherheit ausgewogen zu garantieren, ist das Merkmal guter Politik.

derStandard.at: Sollten alle Gehälter in Österreich transparent gemacht werden?

Taschner: Bei Gott nein! Ich möchte mir die Freiheit bewahren, von meinem Gehalt nur denen zu berichten, denen ich dieses Wissen anvertrauen kann.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Taschner: Ich war als Kind nie in der Sandkiste - einfach weil mir der Sand zwischen den Zehen lästig war. Und als Kind wollte ich Schaffner im D-Zug werden: weit reisen können und dafür nur Löcher in Fahrkarten zwicken, dies schien mir erstrebenswert.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Taschner: Wenn Sie nach dem Ort fragen: in Wien, der Stadt, in der Mozart, Schubert und Johann Strauß lebten - was kann man sich Besseres wünschen? Wenn Sie nach meiner Karriere fragen: in Utopia - alles andere wäre zu bescheiden. (derStandard.at, 1.9.2008)

Zur Person:

Rudolf Taschner, geboren am 30. März 1953 in Ternitz (NÖ), studierte an der Uni Wien Mathematik und Physik. 1977 begann er am Institut für Analysis und Technische Mathematik der Technischen Universität (TU) Wien als Uni-Assistent zu arbeiten, an dem er bis heute - mittlerweile als Universitätsprofessor - tätig ist.

Taschner ist Autor zahlreicher Publikationen und betreibt seit 2003 das "math.space" im Museumsquartier, wo der breiten Bevölkerung Mathematik präsentiert wird. Der 55-Jährige wurde 2004 zum "Wissenschafter des Jahres" gekürt.

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1 2 3
GOTTlos
00

die ederer wollte schaffnerin werden, der taschner schaffner, und wer noch?

A. Hundsamer
01
22.10.2008, 09:14
Ich kenn da einen Schaffner, der Taschner werden wollte.

posaunist
00
15.9.2008, 21:17
sowas ähnliches

bahnhöfler

- was das auch immer sein mag -

(vermutlich der, der die weichen stellt...)

Ronald Reagan
 
00
Finde der Hr. Prof. Taschner wirkt sehr sympathisch und überlegt, ein angenehmer Kontrast zu Vorgängern in dieser Rubrik (Ederer, Haselsteiner)

A. Hundsamer
02
Meine Rede

Da ich als bald 40Jähriger damit auf 40 Dienstjahre komme, müsste ich unter die Hacklerregelung fallen. Weil: Gleich nach der Geburt begann es in mir zu arbeiten. Nur leider schlägt sich dieses exorbitante Pensum nicht in meinem Salär nieder. Schnief!

momodeluxe
01

man hätte im einleitungsabsatz gleich darauf hinweisen können, daß nur wischiwaschi antworten kommen.

das kann jede eliza implementation besser.

die 168std stammen wohl aus "der termin" von deMarco =D

zora zobel
00
ganz sicher

... arbeit schändet immer noch!

Ein Hoch der Faulheit!

Grantscherben
01
Eine Gschicht so nebenbei ...

Das Ganze erinnert mich an einen Mathelehrer in der HTL. Er behauptete doch glatt er sei der 'Falke der Mathematiker'. Dabei war er nur ein geschaster Neurotiker aus der Wirtschaft, der mit sich selbst haderte nichts Grosses in seinem Leben vollbracht zu haben.
Besonders schlimm für mehrere Generationen von Schülern war die Tatsache, dass er auch vorm Informatik Unterricht nicht zurückschreckte.
So kam es das jemand C++ unterrichtete weil er igendwann mal ein Hello-World Programm zum laufen brachte.
Und das obwohl sein EDV-Wissen bei Lochkarten anfing und bei Cobol aufhörte.

kretin
42
Sorry,

wenn mir einer damit kommt, dass er 24 Stunden am Tag, 7 Tage pro Woche hackelt, ist er entweder ein Angeber oder ein G'schichtldrucker, jedenfalls ein ziemlicher Koffer.

Sogenet
05
Nicht Koffer - Taschner heißt er.

High Hopes
25
Meine Güte,

wie phantasielos kann man denn sein.

Natürlich arbeitet er keine 24 Stunden am Tag, das ist eine Metapher dafür, daß er seinen Job gerne macht.

Aber immer fleißig Andere als Koffer titulieren ...

Hurrrrzn!
00
Schön wärs!

Eher Süffizisanz. Und ein Hinweis darauf, dass SEIN Gehirn niemals ruhe.

coolio
01
sehe ich auch so

zumal berufsgruppen wie sportler, musiker, künstler u. a. ähnlich über ihre arbeit denken. sie sind offensichtlich beneidenswert, da ja nicht jeder seinen traumjob nachgehen kann.

kretin
21
Phantasielos?

168 Stunden in der Woche arbeiten und seinen Job gern machen, sind 2 Paar Schuhe.

Außerdem glaube ich nicht, dass er die Aussage als Metapher gemeint hat. Solche Typen finden sich in nahezu jeder Firma. Die wollen einem wirklich einreden, dass sie rund um die Uhr hackeln, und sind stolz darauf, keine Zeit für die Familie zu haben.

Shanajio
00

Herr Taschner ist Universitätsprofessor. Und wenn schon nicht viel in diesem Interview steht, kommt doch durch, dass er das Leben entspannt angeht und seine "Arbeit" gern hat.

janwillem
00

...a liabe Gschicht.
Aber was hat die mit Taschner zu tun?

austriannobody
10
das problem an österreichs unis ist,

die meisten leben nicht noch im 20. jahrhundert sondern im 19. . die anderen (jene die im 20. jahrhundert gelebt haben) sind glaub ich vor, während, oder kurz nach dem letzten weltkrieg verschwunden, jedenfalls sind sie mit sicherheit nicht da.

Preger
31

"Meine Frau und meine Kinder verstehen mich - dies ist ein großes Prvileg, das ich schamlos ausnütze."

Die arme Familie. Dieses Statement finde ich widerlich!

"Weil nur der liebe Gott meine Tätigkeiten überwacht und - hoffentlich barmherzig - beurteilt, bin ich ganz entspannt."

Dann soll der gute Herr aber auch vom lieben Gott bezahlt werden. Er wird barmherzig sein.

High Hopes
03
'widerlich'

Ich empfehle, ihren Ironiedetektor einzuschalten.

Desweiteren ist es recht unangebracht, sich über die privaten Angelegenheiten von Herrn Taschner und Familie derart zu echauvieren.

Ad Bezahlung: Dann wird er die Ergebnisse seiner Forschung aber auch nur Gott verraten, und wenn das alle Wissenschafter machen, dann schauts Essig aus mit unserer 'Informationsgesellschaft'.

Preger
20
Ironiedetektor ist vielleicht ein guter Tip...

@private Angelegenheiten: Schon, bloss haetter Herr T. dazu im Interview auch nicht Auskunft geben muessen, bzw. darauf auch nicht hinweisen muessen, oder?

@Bezahlung: Ich gebe Ihnen da schon recht, bloss sollte man meinen, dass auch ein Wissenschaftler immer einen "realen" (und nicht ueberirdischen) Chef haben sollte, der Ihm auf die Finger schaut.

High Hopes
02
Vielleicht wollte er einfach nur ausdrücken,

daß er Spaß an seiner Arbeit hat. Wen immer sie fragen: Wem sein Beruf auch Berufung ist, der ist 'immer im Dienst'. Und ich kann mir gut vorstellen, daß es Familie Taschner lieber ist, einen Mann/Vater zu haben, der vielleicht nicht so oft da ist, aber glücklich mit seinem Leben, der was Interessantes macht und seine Kinder damit zu begeistern weiß, als er sitzt ständig zu Hause und ist unentspannt, weil unglücklich.

Und Taschner hat einen realen Chef, aber vielleicht ist es jemand, der seiner Position insofern alle Ehre macht, daß er seine Mitarbeiter arbeiten läßt, ohne ihnen zu viel dreinzureden. Gerade in der Forschung war das in der Vergangenheit ein fruchtbringender Weg.

Preger
02
Ihre Argumentationslinie macht Sinn, High Hopes,...

...und ich hoffe, dass Sie auch in allem richtig liegen.

Preger
31
Selten ein so arrogantes Interview gelesen...

"...ich weiss, ich bin ein grosses A.x.x.loch gegenueber meiner Familie, aber sie verstehen mich, und das nutze ich schamlos aus ..."

Und dann betritt zu allem Ueberfluss auch noch der "barmherzige liebe Gott" die Buehne, der ihm letztendlich wohl eh alles vergeben wird...

Mir graut vor solchen Typen, auch wenn Sie scheinbar(!!) noch so "intelligent" sein moegen...

definitive undefinable
 
00

faszinierend

systemfehler1
24
Da zieht einer sein Ding durch,

leistet hervorragendes, wenn auch auf populärwissenschaftlicher Ebene, und da gibt´s immer wieder diese Klugscheixxer, die ihre eigene Mittelmäßigkeit verdrängen, indem sie auf solche Menschen hinpecken.
Mies.
Übrigens hab´ ich meinen Kids seine Bücher geschenkt, mit dem Resultat, daß der jüngste(nach einem Besuch bei einer von Taschners Veranstaltungen) jetzt Mathe studiert und die ihm von den Lehrern vermittelte Mathe-Phobie aus der Pflichtschulzeit abgelegt hat.
Gut so.
Und weiter so, Herr Taschner, auch wenn man Sie nicht für den Nobelpreis nominieren sollte.
Genau solche Lehrer bräucht´ dass Land.
Mehr bitte!

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