OÖ: Diskussion um geplanten "Regio-Liner" ins Mühlviertel

29. August 2008, 13:35
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Anschober: "Leeres Luftschloss im Wahlkampf"

Für Diskussion hat ein Vorschlag der SPÖ, der eine Regional-Straßenbahn - einen "Regio-Liner" - ins Mühlviertel vorsieht, am Freitag in Oberösterreich gesorgt. Für die Grünen ist das Projekt ein "leeres Luftschloss". Die ÖVP kritisierte, dass es wenig konkrete Zeit- und Finanzierungspläne gebe. Die FPÖ hält den Regio-Liner für einen "Wahlkampf-Gag".

Der Vorschlag war bei einem Besuch von SP-Chef Werner Faymann in Linz gemeinsam mit Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider und Bürgermeister Franz Dobusch (beide S) am Donnerstag in Linz vorgestellt worden. Die neue Regional-Straßenbahn soll vom Hauptbahnhof über 14 Haltestellen bis nach Aigen-Schlägl (Bezirk Rohrbach) führen. Insgesamt 18 Fahrzeuge seien für die neue Straßenbahn vorgesehen. Die Fahrintervalle sollen in der Hauptverkehrszeit fünf Minuten betragen. Das Verkehrs-Projekt soll rund 550 Mio. Euro kosten. Ein Datum zur Umsetzung wurde vorerst nicht genannt.

Es sei für ihn unverständlich, den Regio-Liner als neues Projekt vorzustellen, kritisierte Grünen-Chef Landesrat Rudi Anschober am Rande einer Pressekonferenz in Linz. Denn die Grünen hätten bereits vor Jahren eine Idee für eine City-S-Bahn eingebracht. Das Projekt sei u.a. auch von Minister Faymann immer wieder zurückgestellt worden. Für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs seien die Grünen jedoch immer offen, betonte der Landessprecher. "Deshalb sind wir auch jederzeit gesprächsbereit."

"Leeres Luftschloss"

Er glaube, es handle sich dabei um ein "leeres Luftschloss" im Wahlkampf, so Anschober. Er werde daher in der Regierungssitzung am kommenden Montag das Projekt zum Thema machen und darauf drängen, dass endlich die Umsetzung mit klaren Zeitplänen und Finanzierungsfestlegungen erfolgen. Damit es nicht wieder bei einer bloßen Ankündigung bleibe.

"Wenn Haider das Projekt Regionalstraßenbahn mit der gleichen Intensität wie die City-S-Bahn betreibt, dann haben wir sie in 100 Jahren noch nicht", kritisierte Landeshauptmann-Stellvertreter und Baureferent Franz Hiesl (V). Zeitplan und Finanzierung des Projekts seien noch völlig offen. Vor einer etwaigen Realisierung fordere er eine deutlich höhere Kostenbeteiligung des Bundes, eine detaillierte Machbarkeitsstudie und eine genaue Abschätzung der möglichen Fahrgastzahlen, so Hiesl.

"Wahlkampf-Gag"

Für FP-Klubobmann Günther Steinkellner ist der Vorschlag ein "Wahlkampf-Gag". Wenig abgewinnen könne er auch einer geplanten unterirdischen Trasse im Osten von Linz. "Wenn schon eine U-Bahn, dann bitte unter der Landstraße und dem Hauptplatz", kritisierte er. Denn dort würden die Menschen ein städtisches Flair mit verkehrsfreier Zone haben wollen. Überdies könnten sich Innenstadt und Gastronomie entwickeln und erweitern, so Steinkellner.

Der Verkehrssprecher der oberösterreichischen SPÖ, den Landtagsabgeordneten Helmut Kapeller, will das Projekt "rasch im Landtag präsentieren". Denn für Linz-Pendler aus dem oberen Mühlviertel würde der Regio-Liner nicht nur Zeitersparnis bringen, damit würde auch "das lästige Umsteigen von Zug auf Straßenbahn" wegfallen. Überdies könnten damit laut Expertengutachten pro Werktag einen Anstieg von 5.370 Fahrgästen im öffentlichen Verkehrsnetz erreicht werden. Jetzt gehe es darum, die näheren Rahmenbedingungen zu klären und in der Folge eine Finanzierung zu ermöglichen, so Kapeller. (APA)

 

 

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