Digitale Schnitzeljagd erfreut sich in Österreich großer Beliebtheit

29. August 2008, 13:03
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"Geocaching" lockt Computerfreaks und Couchpotatoes in die Natur - Österreich-Bewerb im September

Mitten in der Grazer Herrengasse beugen sich zwei Burschen sichtlich aufgeregt über ein GPS-Gerät: "Ich glaube, wir haben eine falsche Koordinate". Kopfschütteln gegenüber: "Nein, ich könnte schwören, dass er hier irgendwo versteckt ist." Durchgeknallte Teenager, Stegreif-Straßentheater? Nein, die beiden sind als "Geocacher" unterwegs und frönen einem Hobby, das inzwischen auch in Österreich ziemlich angesagt ist. Von 12. bis 14. September gibt es übrigens ein Österreich-Treffen, wo Einzelpersonen und Gruppen mit klingenden Namen wie die "Trüffelschweine" oder die "Knights of Tupperware" gegeneinander im "Schatzsuchen" antreten.

Ideen

Geocaching ist die Idee eines amerikanischen GPS-Spezialisten. Vor acht Jahren hat die US-Regierung beschlossen, die künstlich hergestellte Ungenauigkeit von GPS-Satelliten aufzuheben, erfährt man auf der Homepage www.geocaching.com. Am Tag nach der Freischaltung startete David Ulmer sein Experiment: In den Wäldern nördlich von Portland an der amerikanischen Westküste versteckte er eine Box mit einem "Logbuch" und einigen Tauschobjekten. Zu Hause angekommen, stellte er die Koordinaten in ein GPS-Forum im Internet - mit dem Anstoß: "Nimm was mit und leg' was rein." Es gibt aber auch historische Bezüge: Angeblich versteckten englische Kinder Mitte des 19. Jahrhunderts "Letterboxen" und schickten ihre Freunde auf die Suche.

Start

Ulmers Initiative war der Startschuss zu einem Sport, das weltweit GPS-Fans und Hobby-Schatzsucher hinaus in die Wildnis und in die versteckten Winkel des Großstadtdschungels trieb. Heute gibt es eine eigene Geocaching-Szene. Rund um den Globus gibt es Geocaches (vom französischen "cacher" für kaschieren oder verstecken, Anm.) und dazugehörige Stammtische. In welchen Lokalen man sich trifft, wird natürlich nicht bekanntgegeben, weil Infos grundsätzlich nur über Koordinaten laufen - ebenso wenig, wie man auf direktem Wege erfährt, wo im September der Österreich-Bewerb steigt.

Auftrag

Ob in Istanbul, in München, in Wien oder Graz - überall sind "Schatzsucher" mit abgewetzten Wanderjacken, Cargohosen, GPS-Gerät und einem Moleskine-Notizbuch in der Hand anzutreffen. Als Geocacher bezieht man im Internet die Koordinaten des nächsten Caches und kann sich auf einer Karte orientierten, wo er in etwa zu finden ist. "Graz, Schloßberg" ist hier schon eine genaue Angabe. Der nächste Schritt ist das Lösen des obligaten Rätsels. Dabei kann es schon vorkommen, dass man in eine Kirche muss, um ein Relief zu entschlüsseln, oder in den Kanal, um dort Biegungen abzuzählen. So hanteln sich die Abenteurer von einem Hinweis zum nächsten - und kriegen jedes Mal eine Spur serviert, die sie näher ans Ziel führt.

Schwierig

Berüchtigt für Graz sind der Schloßberg- und der Murinsel-Cache. Nach beiden suchen auch Profis mehrere Stunden - obwohl sie oft nicht einmal einen Meter entfernt sind. In Zukunft könnte es an beiden Orten von Schatzsuchern nur so wimmeln, denn Geocaching ist stark im Trend: Glaubt man der Statistik von aj-gps.net, der "geocaching data austria", sind im Juli und August österreichweit die meisten Caches seit Beginn des Spiels versteckt worden. Inzwischen soll es österreichweit knapp 7.000 versteckte Schätze geben, nach denen mehr als 10.000 Mitglieder jagen. (APA)

  • Artikelbild
    foto: geocaching.com
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