Wahlkampf um die Lohnrunde

29. August 2008, 16:47
259 Postings

WKÖ-Chef Leitl schließt Abschlüsse unterhalb der Inflationsrate nicht aus, ÖGB-Chef Hundstorfer hatte ebendies am Vortag als "Frechheit" bezeichnet

Wien - Die Teuerung ist das bisher mit Abstand dominierende Thema im Wahlkampf, und die anstehende Herbstlohnrunde bringt es mit sich, dass auch unter den Sozialpartnern der Ton rauer wird. WKÖ-Präsident Christoph Leitl schloss auf einer Pressekonferenz am Freitag jedenfalls nicht aus, dass es zu Lohnabschlüssen unterhalb der Inflationsrate kommen könne. Es gehe darum, eine "gute Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Kaufkraft" zu finden, so Leitl. Man werde die Inflation aber sicherlich in "die Entscheidung miteinbinden".

Hundstorfer: "Frechheit"

ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer hatte sich bereits gestern in Alpbach zu der Thematik zu Wort gemeldet und verkündet, was er von Lohnabschlüssen unterhalb der Inflationsrate hält: Diese wären schlicht und ergreifend "eine Frechheit", so der Gewerkschaftsboss. Leitl meinte dazu heute, Hundstorfer sei vor Verhandlungen noch nie zurückhaltend gewesen, und appellierte zu einer Lohnrunde "mit Augenmaß", die "Wachstum und Beschäftigung sichert". Er wolle den Verhandlungen nichts vorwegnehmen, sei aber zuversichtlich, dass man sich auf einen "vernünftigen Abschluss" einigen werde, so Leitl.

Hundstorfers Aussage war ihrerseits schon eine Antwort auf Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) gewesen, der am Mittwoch einen "produktivitätsorientierten Abschluss" bei der Herbstlohnrunde eingemahnt hatte (siehe Artikel).

Leitl will zur Kaufkraftstärkung aber auch die öffentliche Hand in die Verantwortung nehmen. Diese müsse sich überlegen, wo es einen Rückfluss der Kaufkraft geben könne, so der WKÖ-Präsident am Freitag.

Gewerkschaft kritisiert Leitl

Die Aussagen Leitls stießen am Freitag auch auf Kritik in der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP). Die Diskussion über die Inflationsrate dürfe nicht verdecken, dass der Großteil der österreichischen Unternehmen nach wie vor gut verdiene und ein Verteilungsspielraum "sehr wohl" vorhanden sei, hieß es in einer Aussendung.

Die heimischen Arbeitnehmern würden derzeit "extrem" unter der hohen Inflation leiden. Abschlüsse unter der Inflationsrate würden die wirtschaftliche Stellung der Beschäftigten weiter schwächen und sie würden "doppelt bestraft werden", sagte Gewerkschaftsvorsitzender Wolfgang Katzian.

In letzter Zeit werde oft das Bild einer drohenden Lohn-Preis-Spirale gezeichnet, so Katzian. Viel gefährlicher sei aber eine Spirale "nach unten", die sich in Bewegung setzt, wenn sich die Kaufkraft weiter verringert, warnte der Gewerkschaftschef. Es sei daher "ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft", die Kaufkraft aller Beschäftigten rasch anzuheben. (red/APA)

Share if you care.