Analyse: Neue Akzente beim demokratischen Kandidaten

29. August 2008, 10:23
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Die Rede des Präsidentschaftskandidaten in Denver war betont "handwerklich" - McCain wird mit Bush in eine Schublade gesteckt

Denver - Obama kann gut reden, aber er ist zu weich und meidet die Details - so lautete bisher ein verbreitetes Urteil über den Hoffnungsträger der Demokraten. In seiner Abschlussrede beim Parteitag in Denver hat die amerikanische Öffentlichkeit einen anderen Präsidentschaftskandidaten erlebt. Mit teilweise scharfen Tönen und konkreten Ankündigungen hat Barack Obama neue Akzente im Wahlkampf gesetzt.

In der Umgebung Obamas wurde immer geklagt, dass die Öffentlichkeit zu wenig auf programmatische Aussagen des Senators achte, dass seine Bühnenpräsenz und die hochfliegende Rhetorik alles andere in den Hintergrund drängten. Für Denver hat Obama seinen Beratern deswegen eine "handwerkliche" Rede versprochen.

Allgemeine Aussagen

Und so trat der Kandidat diesmal an, ganz "genau (zu) sagen, was dieser Wechsel bedeuten würde, wenn ich Präsident bin". Tatsächlich wurde Obama einige Male recht konkret - etwa bei der Abschaffung der Kapitalertragssteuer für Kleinunternehmen und High-Tech-Startups. Bei anderen Themen aber flüchtete er sich wieder in allgemeine Aussagen. So versprach er, "die Steuern (zu) kürzen für 95 Prozent aller Arbeiterfamilien" - wie das geschehen soll, verschwieg er jedoch, und genau an solchen Mängeln wird die Kritik der Republikaner ansetzen.

Natürlich kann in einer solch programmatischen Rede kein Kandidat sein Programm detailliert erläutern. Schließlich musste die vielumjubelte Ansprache auch viele andere Aufgaben erfüllen: Frau und Kinder waren ebenso zu würdigen wie wichtige Freunde. Und für die große Zahl der politisch Uninteressierten war auch nochmal ein Abriss der ungewöhnlichen Biografie des Kandidaten fällig. Aber der größte Teil der Rede war dann dem Leitthema der gesamten viertägigen Versammlung gewidmet: George W. Bush.

Bush und McCain

Im Footballstadion Invesco Field präsentierte sich ein Kandidat mit einer klaren Wahlkampfstrategie: Der Rivale John McCain wird mit Bush in eine Schublade gesteckt, und dann werden die Wähler daran erinnert, warum sie mit dem Amtsinhaber unzufrieden sind. Einige Äußerungen über McCain fielen diesmal allerdings ungewöhnlich scharf aus. "Ich habe gute Nachrichten für Sie, John McCain", rief Obama mit spöttischem Unterton aus. "Wir alle setzen unser Land an erste Stelle." Damit wehrte sich Obama einmal mehr gegen die verbreitete Unterstellung, kein "echter Amerikaner" zu sein.

Obamas Lächeln kann eine ganze Bühne ausleuchten, aber in Denver war er über den größten Teil der Rede hinweg sehr viel ernster als sonst, vor allem wenn er seinen Rivalen direkt anging. "John McCain steht allein mit seiner eigensinnigen Weigerung, einen schlecht geführten Krieg zu beenden", sagte Obama zur Irak-Politik, ganz gestrenger Kritiker.

Nach dem Ende des perfekt inszenierten Parteitags in Denver schlägt jetzt zunächst die Stunde der Republikaner, die in der nächsten Woche in Minneapolis zu ihrer Versammlung zusammenkommen. McCain erwies dem jüngeren Rivalen am Abend der großen Rede schulterklopfend seine Referenz. In einem am Donnerstag verbreiteten Fernsehspot gratulierte er Obama zu dem Auftritt am 45. Jahrestag von Martin Luther Kings berühmter Ansprache mit den Worten "I Have a Dream". "Senator Obama, das ist wahrlich ein guter Tag für Amerika", sagte McCain. "Morgen werden wir darauf zurückkommen. Aber heute Abend, Senator, gut gemacht!" (Charles Babington/AP)

 

 

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