Uniqa durch Börsenkrise belastet

29. August 2008, 09:05
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Das Vorsteuer-Ergebnis verringerte sich im Halbjahr um 18,5 Prozent auf 110 Millionen Euro - Generaldirektor Konstantin Klien bekräftigte die Prognosen für 2010

Wien - Belastet von tieferen Aktienkursen sowie Zins- und Währungseffekten hat die UNIQA-Versicherungsgruppe im ersten Halbjahr weniger verdient, konnte aber - vor allem im CEE-Raum - stark wachsen und dabei noch die Kosten und Schäden dämpfen. Im Gesamtjahr 2008 will man an das Ergebnis von 2007 anschließen, bereinigt um den damaligen Sonderfaktor Strabag-Verkauf. Die Dividende soll bei weiter gesundem Geschäft stabil bleiben; sie war im Vorjahr von 35 auf 50 Cent je Aktie angehoben worden. An der Mittelfrist-Prognose hält UNIQA-Generaldirektor Konstantin Klien trotz der Finanzkrise fest.

Durch geringere Erträge aus den Kapitalanlagen ist das Ergebnis vor Steuern (EGT) bis Juni um 18,5 Prozent auf 110 Mio. Euro gesunken, soll aber bei stabilisierten Kapitalmärkten und ohne Großschäden bis Jahresende bei 230 bis 250 Mio. Euro liegen - also zumindest auf der Höhe von 2007, wenn man die damaligen 110 Mio. Euro Einmaleffekt durch den Strabag-Deal herausrechnet (unbereinigt: 340 Mio. Euro). Das EGT-Ziel 2010 von 430 Mio. Euro bekräftigte Klien.

Börsenkrise belastet

Die Kapitalanlage-Erträge sackten im ersten Halbjahr um 57,3 Prozent auf 195 Mio. Euro ab, nach noch 455 Mio. Euro im gleichen Vorjahrszeitraum. Grund waren die fallenden Aktienmärkte, aber auch Verluste bei Rentenpapieren und im Währungsbereich, primär dem Dollar, sagten Klien und Finanzvorstand Hannes Bogner dazu. Die Belastungen fielen an, obwohl die Aktienquote schon seit Jänner auf 3 Prozent reduziert ist - in gesundem Umfeld seien 10 bis 15 Prozent normal - und es beim Dollar zugleich auch Hedging-Erträge gab. "2008 ist ein absolutes Ausnahmejahr - so ziemlich das schwierigste Jahr für die Versicherungswirtschaft seit den 30er Jahren", so Bogner. Der Bestand an Kapitalanlagen der Gruppe verharrte im Jahresabstand bei 21,75 Mrd. Euro. Der Periodenüberschuss nach Steuern lag mit 109 Mio. Euro nur 3,5 Prozent tiefer.

An echten Ausfällen aus der Subprime-Krise selbst habe man nach wie vor lediglich die schon vor Monaten kommunizierten 9 Mio. Euro - und das im gesamten Zeitraum November 2007 bis August 2008, betonte Klien. Diese Summe habe sich also nicht weiter erhöht. Im strukturierten Bereich habe man zwar etwas höhere Abschreibungen als davor vornehmen müssen, so Bogner, dem stünden aber auch Absicherungserträge gegenüber. Wirklich getroffen hätten die UNIQA die Aktien und Festverzinslichen, nicht die strukturierten Produkte.

Namhafte Erfolge verzeichnete der UNIQA-Konzern bei der Dämpfung von Kosten und Schäden. Die Kostenquote über alle Sparten wurde von 22,7 auf 21,8 Prozent reduziert, und die Leistungsquote sank zugleich von 75,6 auf 65,2 Prozent. In Schaden/Unfall verringerte sich die Combined Ratio aus Schäden und Kosten (brutto) von 98,1 auf 90,0 Prozent; das technische Ergebnis in S/U drehte von -13 auf +61 Mio. Euro, in der Krankensparte besserte es sich von -26 auf -14 Mio Euro.

Motor Osteuropa

Dank eines starken Wachstums vor allem in Osteuropa hat die UNIQA Group im ersten Halbjahr ihre Prämieneinnahmen um 10,4 Prozent auf 3,003 Mrd. Euro gesteigert, inklusive Sparanteilen aus Fondspolizzen, deren Absatz überraschend wieder relativ stark zulegte. In CEE stiegen die Einahmen um 60 Prozent auf 603 Mio. Euro, doch wuchs man auch am gesättigten Kernmarkt Österreich um 3,2 Prozent auf 1,891 Mrd. Euro. Insgesamt stammten bereits 37,0 (32,6) Prozent der Einnahmen aus dem Ausland - bis 2010/12 sollen es 50 Prozent sein.

Akquisitionen zur weiteren Expansion schließt Konzernchef Konstantin Klien nicht aus, sollten die Kaufpreise wieder günstiger werden. Seit mehreren Jahren setzt man jedoch auf organisches Wachstum - primär in Ländern, in denen man auf die Partnerschaft mit Raiffeisen International (RI) im Bankenvertrieb zählen kann wie etwa in Polen, Serbien, Bulgarien und schon bald vielleicht auch Russland, wie Klien zu Journalisten sagte: "Wir prüfen, ob wir dort ohne Filialaufbau den Bankenvertrieb mit Lebenspolizzen starten, wie üblich beginnend mit Kreditrestschuldversicherungen. Der Bankenvertrieb erweist sich als 'der' Turbo im Osten."

In der Lebensversicherung hat die UNIQA-Gruppe im Halbjahr mit 16,9 Prozent auf 1,224 Mrd. Euro von allen Sparten das stärkste Einnahmen-Wachstum erzielt. In Schaden/Unfall wuchs der Prämienkuchen um 7,5 Prozent auf 1,302 Mrd. Euro und in der Krankenversicherung um 3,3 Prozent auf 476 Mio. Euro.

Die rumänische Unita-Versicherung, die die Vienna Insurance Group (VIG) wegen des Versicherungs-Deals mit der Erste Bank aus Wettbewerbsgründen abgegeben hat, ist in den UNIQA-Halbjahrszahlen noch nicht enthalten. Die schon fixierte Komplettübernahme bedarf noch letzter Genehmigungen, das Closing wird für Herbst erwartet. Bei der Astra Versicherung bleibt man mit 27 Prozent beteiligt und stockt nicht weiter auf. Zur slowenischen Adriatic Slovenica, wo die UNIQA mit im Rennen um einen Erwerb ist - aber sicher nicht zu den von dortigen Medien kolportierten hohen 280 Mio. Euro -, erhofft sich Klien ein Resultat noch dieses Jahr. (APA)

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    Uniqa-Generaldirektor Konstantin Klien schließt Akquisitionen zur weiteren Expansion nicht aus.

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