Kurzschrift, Codes und Rauch

28. August 2008, 20:41
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Morse-Codes, Stenografieren und Rauchzeichen sind alte Schrift- oder Nachrichtensysteme, die heute immer weniger Anwendung finden

Frage: Wie funktioniert Stenografieren?

Antwort: Durch Stenografieren kann man drei- bis viermal schneller schreiben, als wenn alles ausgeschrieben wird. Bei "Steno" gilt eine vereinfachte Rechtschreibung, die Buchstaben werden auf eine Minimal-Form reduziert und oft vorkommende Wörter und Silben gekürzt. Wer die Kurzschrift nicht beherrscht, für den sehen die Zeichen wie Geheimsymbole aus. Durch die Verbreitung des Computers ist Stenografieren für viele Berufe (z. B. bei Sekretärinnen) nicht mehr so wichtig.

Frage: Wer hat Steno erfunden?

Antwort: Schon in der Antike hat man versucht, Dinge in verkürzter Form festzuhalten. Als Erfinder der ersten Kurzschrift gilt Marcus Tullius Tiro (103 bis 4 vor Christus), der Ciceros Sklave und später Vertrauter gewesen sein soll.

Frage: Was ist Morsen?

Antwort: Morsen ist Kommunizieren ohne Buchstaben. Wie das gehen soll? Das Morse-Alphabet besteht nur aus Strichen und Punkten. Die Zeichen werden von einem Morse-Gerät in Töne umgewandelt. Sie lassen sich aber auch mit Lichtsignalen, etwa einer Taschenlampe, übermitteln. Der Buchstabe "a" wird übersetzt mit einmal kurz und einmal lang blinken, "b" einmal lang und dreimal kurz blinken, "c" lang, kurz, lang, kurz und so fort. Für jeden weiteren Buchstaben im Alphabet gibt es einen eigenen Code. Die Abfolge der kurzen und langen Töne erfolgt sehr schnell hintereinander.

Frage: Wie wurde Morsen erfunden?

Antwort: Ein Amerikaner namens Samuel Morse hatte in den 1830er-Jahren die Idee dazu. Er bastelte aus Blechstücken, Draht und seiner Wanduhr den ersten Morse-Telegraf zusammen und hat damit jahrelang herumexperimentiert. 1844 übermittelte er dann die erste Fernnachricht und hat damit die Telegrafie erfunden. Morse gründete eine Telegrafiegesellschaft und wurde ein reicher Mann.

Frage: Wird Morsen heute noch verwendet?

Antwort: Beim Funken nur noch von Amateurfunkern. Bis vor wenigen Jahren ist es auch in der Schifffahrt noch wichtig gewesen. Mit der Einführung eines modernen Seenot- und Sicherheitsfunksystems im Jahr 1999 hat das Morsen aber auch auf See seine Bedeutung verloren.

Frage: Wie wurde per Rauchzeichen kommuniziert?

Antwort: Bei Indianerstämmen Nordamerikas war dies eine Form der Fernkommunikation. Um starken Rauch zu erzeugen, hat man feuchtes Gras ins Feuer gelegt. Dann wurde das Feuer abgedeckt und wieder zugedeckt. Mittels Rauchwolken in verschiedenen Größen und Farben konnten sich die Indianer weit sichtbar etwas mitteilen.

Frage: Hat man Rauchzeichen auch anderswo angewendet?

Antwort: Ja, auch im Alten China. Und noch heute werden im Vatikan Rauchzeichen gegeben, wenn ein neuer Papst zu wählen ist. Wenn über der Sixtinischen Kapelle schwarzer Rauch (erzeugt durch feuchtes Stroh im Kamin) aufsteigt, gibt es beim letzten Wahlgang kein Ergebnis. Wird trockenes Stroh verbrannt, steigt weißer Rauch auf. Das bedeutet, es gibt einen neuen Papst. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 29. August 2008)

 

  

 

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