Demokraten prügeln John McCain

29. August 2008, 06:25
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Auf dem Parteitag in Denver referierten Spitzendemokraten das Sündenregister des republikanischen Kandidaten

Der stehe für viel, aber sicher nicht für den Wandel, den die Vereinigten Staaten brauchten.

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John McCain war nicht anwesend, aber trotzdem ziemlich präsent. Keine Rede auf dem demokratischen Parteitag in Denver, keine rhetorische Figur kam ohne den knorrigen Republikaner aus: "John McCain, more of the same" war die Schlagzeile und "John McCain was wrong". Präsidentschaftskandidat Barack Obama, seine Vize Joe Biden, Ex-Präsident Bill Clinton oder der Wahlverlierer von 2004, John Kerry - alle Spitzendemokraten versuchten, dem Republikaner sein Urteilsvermögen abzusprechen und ihn in eine Reihe mit dem so unbeliebten Präsidenten George W. Bush zu stellen.

Bill Clinton, der in Denver mit minutenlangem Applaus und einem Meer von US-Flaggen empfangen wurde, wärmte die Delegierten schon am Mittwoch mit einer fulminanten Rede auf. Die Nation, diagnostizierte er, sei in großen, großen Schwierigkeiten. Zu Hause stagniere die Wirtschaft, die Kreditkrise grassiere, die Lebensmittel- und Treibstoffpreise stiegen unaufhörlich. In der Welt seien die USA dagegen mit zu viel Unilateralismus und zu wenig Kooperation aufgefallen. "Der Job des neuen Präsidenten ist es, den amerikanischen Traum zu erneuern und das Ansehen der Vereinigten Staaten in der Welt wiederherzustellen. Und Barack Obama ist der Mann für diese Aufgabe! Er ist bereit, der Präsident der USA zu sein!"

Wer zu Hause nicht stark sei, könne auch im Ausland nicht stark sein, mahnte Clinton. "Die Menschen in der Welt waren stets mehr von der Macht des amerikanischen Beispiels beeindruckt als von Beispielen amerikanischer Macht. Die Republikaner haben kein gutes Beispiel abgegeben. Noch einmal vier Jahre für Sie? Nein danke, John McCain!"

Wie Obama heute sei er, Bill Clinton, 1992 als zu jung und zu unerfahren für den Job als Oberkommandierender der US-Streitkräfte beschrieben worden. "Das hat schon damals nicht funktioniert, das wird auch heute nicht funktionieren. Amerika muss immer Hoffnung heißen."

John Kerry beschrieb John McCain als eine Art Dr. Jeckyll und Mr. Hyde. Der Senator McCain und der Kandidat McCain seien nicht eine Person, der Kandidat vertrete in vielen Dinge das genaue Gegenteil von dem, was der Senator zuvor verfolgt habe. "Bevor er mit Barack Obama debattiert, sollte er doch einmal ernsthaft mit sich selbst ins Gespräch kommen", rief Kerry ins Stadion. Statt sachlicher Debatten blieben dem Republikaner nichts als persönliche Angriffe und Beleidigungen - "wie pathetisch!" Den republikanischen "Händlern der Angst" werde Barack Obama sagen: "Ihr entscheidet nicht, wer patriotisch ist. Ihr entscheidet nicht, wer unser Land liebt. Unsere Flagge gehört allen Amerikanern!"

Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden, wie Obama von den Delegierten in Denver per Akklamation als Kandidat nominiert, ließ es gefühliger angehen: Er sprach von seiner Mutter, seiner bei einem Autounfall verstorbenen ersten Frau und seiner Tochter, den Küchentischgesprächen der Amerikaner, die nicht mehr wüssten, wie sie ihre Rechnungen zahlen sollen. McCain habe im Senat zu 95 Prozent für Präsident Bush gestimmt - "ist das der Mann für den Wandel, den wir brauchen?"Die Delegierten antworteten tausendfach: "Nein, das ist mehr vom selben!"

"Unsere Zeit ist gekommen"

Außenpolitisch warf Biden McCain grobe Fehleinschätzungen zu Afghanistan, dem Irak, dem Iran und Georgien vor. Obama dagegen werde ein Präsident sein, dem die Welt wieder traue: "Obamas Zeit ist gekommen, unsere Zeit ist gekommen." Obama selbst hielt seine Nominierungsrede am Donnerstag im Football-Stadion von Denver. John McCain kam dort nicht mehr so oft vor, Obama sprach lieber von seinen Plänen. (Christoph Prantner aus Denver/DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2008)

 

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