Erber blickt ins Schnapsglas

28. August 2008, 18:12
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Das Tiroler Unternehmen destilliert seit den Zeiten Maximilians I.

Wien - "Das Unternehmen steht wieder auf guten Füßen", sagt Kurt Dengg, Geschäftsführer der Brennerei Erber (Edelbrände, Schnäpse, Spirituosen) im Tiroler Brixen im Thale. Nachdem die Traditionsfirma 2003 in den Ausgleich schlitterte und zu je einem Drittel von den Familien Pletzer (Multiunternehmer), Morandell (Weingroßhandel) und Karl Handl ("Speckkaiser") übernommen wurde, blickt der Betrieb optimistisch ins Schnapsglas. "Wir haben in Deutschland die Handelskette Globus als Partner gewonnen, das ermöglicht uns einen größeren Absatzmarkt", sagt Dengg. Zwölf bis 15 Prozent beträgt die Exportquote ins Nachbarland, auf 30 Prozent will sich Erber durch eine neue Vertriebsagentur in den nächsten Jahren steigern.

Dennoch bereiten die hohen Rohstoffkosten und die enorm gestiegenen Obstpreise Probleme. 40- bis 50-prozentige Preiserhöhungen bei den Früchten müsse man seit dem Vorjahr in Kauf nehmen. Obstspekulanten würden zudem die Preise etwa bei der raren und aufwändig zu pflückenden Vogelbeere hochhalten. Erber bezieht sein Obst aus Südtirol. "In Österreich gibt es keine Lieferanten, die so große Mengen liefern können", sagt Dengg. Zwischen 500 und 1000 Tonnen Obst braucht Erber jährlich für seine Destillate. Nach dem Maischen und Brennen wird das Destillat jahrelang im Keller gelagert und dann erst abgefüllt. "Wir müssen das Obst um viele hunderttausende Euro kaufen, eine Vorleistung, die erst nach Jahren Früchte trägt", so der Firmenchef.

Durch gebündelten Einkauf, Optimierung der Produktion und Umstellung der Gebinde sei es aber gelungen, die gestiegenen Preise halbwegs abzufedern und bisher nicht an die Kunden weiterzugeben. "Den Rest trägt die Firma bei den Spannen."

Erber, die für seine Edelbrände schon allerlei internationale Preise einheimste, beschäftigt in Brixen 20 Mitarbeiter, die einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro im Jahr erwirtschaften. Das Unternehmen erhielt die Brennrechte im 16. Jahrhundert unter Kaiser Maximilian I. Damals galt die Auflage, Wasser aus der hauseigenen Quelle zuerst für die Versorgung von Mensch und Vieh, dann erst für die Brennerei heranzuziehen. (Barbara Forstner, DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2008)

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