Italiens Pazifisten wollen US-Militärtransporte boykottieren

23. Februar 2003, 17:19
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"Wir planen massive Streikaktionen, um die Ladung des gefährlichen Materials auf die Schiffe zu verhindern"

Rom - Die italienischen Kriegsgegner haben massive Aktionen gegen den Transport von amerikanischem Kriegsmaterial im Land angekündigt. Nachdem am (gestrigen) Samstag Hunderte von Anhängern der No Global-Bewegung "Disobbedienti" in der Toskana und Venetien Züge blockiert hatten, die mit Kriegsmaterial zum NATO-Stützpunkt Camp Darby in der Nähe von Livorno unterwegs waren, warnten die Pazifisten vor neuen Aufsehen erregenden Aktionen. Hafenarbeiter drohten mit einem Boykott der Ladungen von Kriegsmaterial auf Schiffen, die im Rahmen möglicher Anti-Irak-Operationen eingesetzt werden sollen.

"Wir planen massive Streikaktionen, um die Ladung des gefährlichen Materials auf die Schiffe zu verhindern", sagte der Chef des Gewerkschaftsverbands Filt-Cgil, Guido Abbadessa. "Die italienischen Häfen dürfen nicht zum strategischen Stützpunkt für einen unmoralischen und illegitimen Krieg gegen den Irak werden. Die Arbeitnehmer in den Häfen werden mit Streiks die Ladung von Kriegsmaterial boykottieren", so Abbadessa.

Die Gewerkschaftsorganisationen forderten von der Regierung Informationen über das Kriegsmaterial, das italienische Eisenbahner nach Camp Darby transportieren. Sie forderten Garantien für Passagiere und Bahnpersonal, dass das Material nicht gesundheitsgefährdend sei. "Es ist Besorgnis erregend, dass auf italienischen Bahnlinien Züge mit US-Waffen in Begleitung von Marines transportiert werden", sagte die Ex-Nummer eins des Gewerkschaftsverbands Cgil, Sergio Cofferati.

Friedliche Widerstandsaktionen gegen den US-Krieg wurden von den oppositionellen Grünen unterstützt, lösten jedoch die entrüstete Reaktion der Regierungsparteien aus. Es sei ein Skandal, dass im Namen des Pazifismus der Bahnverkehr blockiert werde. "Wer Züge stoppt, muss bestraft werden. Ähnliche Aktionen würden in jedem anderen demokratischen Land als Verrat betrachtet werden", sagte Sandro Bondi, Sprecher der Forza Italia, Partei des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

"Stoppt die Züge des Todes", lautete das Motto der in der Region Venetien beheimateten No Global-Gruppe "Disobbedienti", die am Samstag auch den Zugang zum Militärflughafen von Pisa blockiert und zahlreiche Demonstrationen gegen den Irak-Konflikt organisiert hatten. Nach Angaben italienischer Medien plant das Innenministerium einen "Anti-Boykott-Plan". Die Polizei wird entlang der Bahnlinien dafür sorgen, dass das US-Material, das von einer Kaserne in Vicenza nach Camp Darby geschickt wird ans Ziel kommt. (APA)

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