Der Sprengmeister aus dem Süden meldet sich zurück

23. Februar 2003, 10:23
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Haider: Schüssel "wird für Demütigungen bitter zahlen" - Grasser ist ein "moralischer Flachwurzler"

Klagenfurt/Wien - Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) hat in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Finanzminister Karl-Heinz Grasser abgerechnet. Schüssel sei "im Siegesrausch. Er wird einmal für die Demütigungen der letzten Wochen bitter zahlen, denn hinter den Parteien, die er erniedrigt hat, stehen Menschen", sagte Haider. Die "Revanche" werde Schüssel bei künftigen Wahlen erleben. Die frühere Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer lädt Haider ein, ihren Rücktritt zu widerrufen.

"Dass man jede Braut zuerst mustert und zum Schluss sagt, es bleibt einem eigentlich eh nichts anderes übrig als mit den Blauen weiterzumachen, war letztklassig", kritisiert Haider die Haltung der ÖVP bei den Regierungsverhandlungen. "Aber wenn die FPÖ wieder eine mitgestaltende Rolle bekommt, soll mir das Recht sein." Scharf griff Haider auch den aus der FPÖ ausgetretenen Finanzminister Grasser an. Dieser sei ein "moralischer Flachwurzler", der mit seiner neoliberalen Politik FPÖ-Wähler bekämpfe.

Riess-Passers Lebensrucksack

Riess-Passer habe sich mit ihrem Rücktritt "eine Belastung in ihren Lebensrucksack gelegt", die sie gar nicht verdiene, so Haider. "Ich glaube auch, dass niemand in der Partei ein Problem damit hätte, wenn sie sagt, gut, ich mach' wieder mit."

Für eine Neuauflage der schwarz-blauen Regierung forderte Haider, dass es "keine neuen Belastungen für den kleinen Mann" geben dürfe. Bisherige Berichte über ein neues geplantes Sparpaket spiegelten offenbar "die Wunschvorstellung der ÖVP" nieder. Die Volkspartei dürfe nicht weiter eine "Schonungspolitik" gegenüber ihrem eigenen Klientel betreiben, verlangte der Kärntner Landeshauptmann. Er selbst sei aber "kein Verhandlungsgegenstand für diese Koalition", sagte Haider. Auf der Suche nach neuen Wählergruppen rät er seiner Partei, das bürgerliche rechte Potenzial der SPÖ anzusprechen.

Haider kündigte weiters an, er arbeite an einem Buch, um mit "all diesen Mythen" des Zusammenbruchs der ersten schwarz-blauen Regierung im Vorjahr aufzuräumen. "Die Öffentlichkeit wird staunen, warum Knittelfeld einen Beschluss gefasst hat, der deckungsgleich ist mit dem, was ich mit Schüssel eine Woche vorher in einem nächtlichen Gespräch vereinbart habe." (APA)

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