Türkei und USA erzielen vorläufige Vereinbarung über Truppenstationierung

23. Februar 2003, 16:11
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Außenminister rechnet mit Abstimmung im Parlament am Dienstag

Ankara - Das Abkommen über eine Stationierung amerikanischer Truppen im Irak steht vor dem Abschluss. Der türkische Außenminister Yasar Yakis erklärte am Sonntag, das Parlament werde wahrscheinlich schon am Dienstag über das Papier abstimmen. Bis dahin seien noch 15 Fragen zu den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Bedingungen einer Stationierung zu klären. Beide Seite nahmen ihre Gespräche am Sonntag in Ankara wieder auf.

Türkei will schriftliche Zusage

Die türkische Regierung macht eine Zustimmung zur Stationierung von US-Soldaten in der Türkei von der schriftlichen Zusage Washingtons zu einem milliardenschweren Hilfspaket abhängig. Aus türkischen Regierungskreisen verlautete am Samstag, die türkische Forderung nach Krediten und Ausgleichszahlungen in Höhe von 15 Milliarden Dollar stehe im Mittelpunkt der Vereinbarung. Yakis wies Berichte zurück, wonach ein Abkommen wegen der Höhe der türkischen Forderung bisher nicht unterzeichnet worden sei.

Beginn der Stationierung eventuell bereits am Dienstag

Mitarbeiter der amerikanischen Regierung bestätigten am Samstag, dass eine Übereinkunft erzielt worden sei. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, die Streitkräfte wollten vielleicht schon am Dienstag mit der Stationierung von Truppen in der Türkei beginnen.

Die Forderungen

Yakis erklärte, die Türkei bitte um einen sofortigen Brückenkredit, sobald der Krieg beginne. Ein Hilfspaket müsse zunächst der US-Kongress genehmigen, was Wochen dauern könne. Der Schaden für die türkische Wirtschaft beginne jedoch bereits mit Anfang des Krieges. Strittig seien noch das Kommando über die türkischen Truppen, die im Kriegsfall in den Norden des Irak eindringen, die Entwaffnung kurdischer Gruppen im Irak und die Kontrolle über die Ölfelder Kirkuk und Mosul. Die irakischen Felder dürfen keinesfalls in die Hände kurdischer Gruppen fallen, sagte Yakis.

Zweite Front

Die USA wollen bei einem möglichen Irak-Krieg von der Türkei aus eine zweite Front im Norden eröffnen. Unterhändler beider Seiten diskutieren seit Monaten über die Bedingungen für eine Stationierung von US-Truppen. Die Türkei forderte zunächst Ausgleichszahlungen in Höhe von zehn Milliarden Dollar (9,2 Milliarden Euro) und ein Darlehen von 20 Milliarden Dollar (18,5 Milliarden Euro) für den wirtschaftlichen Schaden, den ein Krieg gegen den Irak mit sich bringen könnte. Die USA hatten zunächst nur Ausgleichszahlungen von sechs Milliarden Dollar angeboten.

Weiterer Streitpunkt: Verhandlungen mit Kurden

Neben der Höhe der finanziellen Entschädigung spielen in den Verhandlungen auch die Kurden eine Rolle. Die Türkei fürchtet, dass die irakischen Kurden in Folge eines Krieges einen unabhängigen Staat ausrufen könnten. Ankara will deshalb im Falle eines Krieges Truppen in den Norden des Irak schicken. Amerikanische Frachtschiffe mit Panzern für die 4. Infanterie-Division liegen bereits seit Tagen vor der türkischen Küste. Falls ein Abkommen mit der Türkei doch noch scheitert, sollen sie die Golfregion ansteuern.(APA/AP)

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