Anklage wegen Kriegsverbrechen in Vukovar erhoben

22. Februar 2003, 16:44
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Gegen neun einstige jugoslawische Militärführer und kroatische Serbenführer

Belgrad - Vor einem Gericht in der ostkroatischen Stadt Vukovar ist am Samstag Anklage gegen neun ehemalige jugoslawische Militärkommandanten und serbische Zivilführer wegen Kriegsverbrechen im Jahr 1991 erhoben worden. Nach Angaben des Staatsanwaltes Bozidar Piljic bezieht sich die Anklage unter anderem auf die einstigen jugoslawischen Generalstabchefs, Veljko Kadijevic, Blagota Adzic und Zivota Panic sowie die Offiziere Veselin Sljivancanin, Mile Mrksic und Miroslav Radic. Von der Anklage wurden auch der serbische Ultranationalistenführer Vojislav Seselj und der einstige lokale Serbenführer Goran Hadzic erfasst.

Den Angeklagten wird angelastet, sich der Kriegsverbrechen an Zivilbevölkerung und Gefangenen sowie Verwundeten schuldig gemacht haben. Ihnen wird auch die Zerstörung von Kultur- und Geschichtsdenkmälern vorgeworfen. Ursprünglich hatte sich die Anklage auch auf den bereits verstorbenen Ex-Bürgermeister von Vukovar, Slavko Dokmanovic, und den ermordeten Belgrader Mafiaboss Zeljko Raznatovic "Arkan" bezogen. Beide waren auch vom UNO-Kriegsverbrechertribunal angeklagt worden. Wegen Kriegsverbrechen in Vukovar waren vor dem UNO-Tribunal die Anklagen auch die Offiziere Sljivancanin, Mrksic und Radic sowie Seselj angeklagt worden. Festnahme fehlgeschlagen

Die serbische Polizei hatte am vergangenen Mittwoch vergeblich versucht, den wegen Kriegsverbrechen in der ostkroatischen Stadt Vukovar angeklagten jugoslawischen Offizier Veselin Sljivancanin festzunehmen, meldete der Belgrader Sender B-92 am Samstag. Die Pressesprecherin des "Ausschusses zum Schutz von Sljivancanin", Vesna Gojkovic, erklärte, Sljivancanin werde sich dem UNO-Kriegsverbrechertribunal nie stellen.

Sljivancanin ist Angehöriger der so genannten Vukovar-Troika. Er war gemeinsam mit den Offizieren Mile Mrksic und Miroslav Radica vom UNO-Kriegsverbrechertribunal vor rund sieben Jahren wegen der Ermordung von etwa 260 Kroaten in Vukovar im November 1991 angeklagt worden. Mrksic hatte sich im vergangenen Frühjahr selbst dem UNO-Tribunal gestellt.

Die Festnahme von Sljivancanin und Radic ist eine der Voraussetzungen für die Finanzhilfe des US-Kongresses an Serbien. Gefordert wird auch die Festnahme des früheren bosnisch-serbischen Militärführers Ratko Mladic, der sich in Serbien verstecken soll.

Sljivancanin hatte vor eineinhalb Jahren gegenüber einer Wochenzeitschrift erklärt, dass ihn die Polizei nie lebend fassen werde. In Belgrad wurden inzwischen "Ausschüsse" zum Schutz von Sljivancanin und Radovan Karadzic gebildet. (APA)

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