Pakistan: Neun Tote bei Blutbad in schiitischer Moschee

23. Februar 2003, 13:16
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Vier Männer schossen auf die Betenden - Vorwürfe an Regierung

Karachi - Bei der blutigsten religiös motivierten Gewalttat in Pakistan seit einem Jahr sind in der südlichen Stadt Karachi mindestens neun schiitische Moslems vor einer Moschee erschossen worden. Nach Angaben von Polizei und Augenzeugen eröffneten am Samstag zwei Männer von einem Motorrad aus das Feuer auf die Gläubigen vor dem Abendgebet in der Mehdi-Moschee. Sieben Leichen wurden in ein Krankenhaus gebracht, zwei weitere Menschen erlagen auf dem Weg ins Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Die Bluttat ereignete sich zwei Wochen vor dem vor allem für die schiitischen Moslems heiligen Monat Moharram.

"Der Gebetsaufruf hatte gerade begonnen, da fuhren vier Männer auf zwei Motorrädern durch die Tür und schossen", sagte einer der Gottesdienstbesucher. Nach Polizeiangaben befanden sich zur Tatzeit 25 Menschen in der Moschee, unter den Getöteten ist auch ein sieben Jahre alter Junge. Augenzeugen berichteten, die Täter hätten zuvor in einem Teehaus gewartet

Ihr Motiv blieb zunächst unklar. In Pakistan kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Übergriffen von extremistischen Sunniten auf die Minderheit der Schiiten, seit Ende der 1980er Jahre wurden dabei mehrere tausend Menschen getötet. Erst vor kurzem verhaftete die Polizei mehrere Mitglieder der verbotenen sunnitischen Gruppe Lashkar-e-Jhangvi. Am 26. Februar vergangenen Jahres waren zehn schiitische Gläubige in einer Moschee der nordpakistanischen Stadt Rawalpindi erschossen worden.

In zwei Wochen beginnt für die Schiiten der Trauermonat Muharram. Hinter dem Anschlag stecke der Versuch, den heiligen Monat zu stören, sagte Hasan Zafar Naqvi von der schiitischen Gemeinde in Karachi. "Die Regierung sollte beschämt sein, dass sie die Moschee nicht geschützt hat. Die Mörder müssen sofort festgenommen werden." Der Innenminister der Krisenprovinz Sindh, deren Hauptstadt Karachi ist, ordnete einen verstärkten Polizeischutz für Moscheen an.

Hunderte Angehörige von Verletzten und Getöteten versammelten sich vor dem Krankenhaus, in das die Opfer gebracht wurden. Männer, die beim Transport der Getroffenen geholfen hatten, standen mit blutgetränkter Kleidung herum. Viele forderten lautstark, man möge ihnen die Leichen aushändigen, damit sie zu Hause betrauert und beerdigt werden könnten. Die Schiiten stellen nur etwa zehn Prozent der 140 Millionen Pakistani. Die Mehrheit gehört der sunnitischen Glaubensrichtung an. (APA/dpa/AP)

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