Neue Gespräche palästinensischer Fraktionen angekündigt

22. Februar 2003, 16:27
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Abu Mazen: "Entmilitarisierung der Intifada"

Gaza - Der Stellvertreter des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat, Mahmud Abbas (Abu Mazen), hat am Samstag die Wiederaufnahme der Gespräche mit den außerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) stehenden radikalen Fraktionen angekündigt. Die palästinensische Führung unterstütze den Vorschlag Ägyptens für eine einjährige Waffenruhe gegenüber Israel und trete für eine "Entmilitarisierung der Intifada" ein, sagte er dem Radiosender "Stimme Palästinas". Mehrere radikale Gruppen lehnen den Vorschlag allerdings ab, bevor Israel nicht auf die Tötung von Palästinensern verzichtet. Die Gespräche über die Waffenruhe würden möglicherweise schon Anfang der kommenden Woche in Kairo fortgesetzt, sagte Abu Mazen nach seiner Rückkehr von einem Russland-Besuch.

Die radikale Hamas-Bewegung hatte die von Ägypten initiierten Gespräche palästinensischer Fraktionen in Kairo Ende Jänner für gescheitert erklärt. Der bewaffnete Widerstand gegen die israelische Okkupation sei "nicht verhandelbar", hatte es geheißen. Der Gründer und geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, hatte den Aufruf Arafats zu einem Anschlagstopp zurückgewiesen. Er kündigte an, dass Selbstmordanschläge bis zur Befreiung Palästinas fortgesetzt würden.

Bei einem israelischen Großeinsatz in Nablus im Westjordanland sind am Samstag mindestens zwei Palästinenser getötet worden. Soldaten erschossen in den engen Gassen der Altstadt einen jungen Palästinenser, der einen Trupp von einem Hausdach aus mit einem Brandsatz beworfen haben soll. Nach palästinensischen Angaben wurde ein zweiter Mann getötet, als er während einer Ausgangssperre gemeinsam mit seiner Frau das Haus verließ. Die Frau fiel in Ohnmacht und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Von israelischer Seite hieß es, der 43-Jährige habe sich den Soldaten mit einem Tuch über dem Kopf und einem "verdächtigen Objekt" genähert. Vier weitere Palästinenser wurden bei Schusswechseln in der Kasba von Nablus zum Teil schwer verletzt. Bereits am Freitag waren bei gewaltsamen Zwischenfällen im Gazastreifen und Westjordanland drei Palästinenser getötet worden.

Aus palästinensischen Kreisen in Nablus verlautete, zahlreiche Soldaten seien in der Altstadt von Haus zu Haus gegangen, indem sie Löcher in die Innenwände gesprengt hätten. In der Kasba seien zahlreiche Explosionen zu hören gewesen. Der palästinensische Parlamentarier Hisham Khader sagte dem israelischen Nachrichtendienst "y-net", Israel begehe in der Kasba von Nablus "still und heimlich Verbrechen, wobei es die Gleichgültigkeit der Weltöffentlichkeit ausnutzt". Er nannte die Militäraktion die "israelische Antwort auf die Bemühungen des palästinensischen Innenministers Hani Hassan in Nablus, den bewaffneten Kampf der Palästinenser zu beenden". (APA/dpa)

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