Neues Dokument wirft schlechtes Licht auf Papst Pius XI.

22. Februar 2003, 15:33
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Negative Antwort auf Hilfeersuchen von Edith Stein

Hamburg - Papst Pius XI. (1922-1939) hat nach Dokumenten aus den vatikanischen Geheimakten der später in Auschwitz ermordeten Nonne Edith Stein jede Unterstützung verwehrt.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitiert laut Vorausbericht in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, wenige Tage nach Öffnung der vatikanischen Geheimakten der Nazi-Zeit, aus der Antwort des Papstes auf ein Hilfeersuchen von Edith Stein. Die Nonne jüdischer Abstammung wurde nach ihrem Tod im Konzentrationslager 1998 von Johannes Paul II. heilig gesprochen.

Hilfe gegen den Vernichtungskampf

Edith Stein hatte 1933 in einem Brief, der jetzt öffentlich wurde, Pius XI. (Achille Ratti) um Hilfe gegen den "Vernichtungskampf gegen das jüdische Blut" gebeten und verlangt, "das Schweigen" der Kirche zu beenden. "Seit Wochen warten und hoffen nicht nur die Juden, dass die Kirche Christi ihre Stimme erhebt, um diesem Missbrauch des Namens Christi Einhalt zu tun. Ist nicht diese Vergötzung der Rasse und der Staatsgewalt, die täglich den Massen eingehämmert wird, eine offene Häresie?" schrieb sie.

Steins Appell war dem Papst am 12. April 1933 vorgelegt worden. Dessen Reaktion vom 20. April ging nicht einmal direkt an die Ordensfrau, sondern lief über seinen Staatssekretär Kardinal Eugenio Pacelli, den früheren Nuntius in Berlin und späteren Papst Pius XII. Der stellte es jenem Abt, der Steins Brief nach Rom übermittelt hatte, lediglich "anheim", die Absenderin darüber zu informieren, "dass ihre Zuschrift pflichtmäßig Seiner Heiligkeit vorgelegt worden ist". (APA/dpa)

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