Moskau: NATO tut nicht genug gegen Drogenanbau

28. August 2008, 17:14
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Anti-Drogen-Behörde wirft Truppen "Ineffizienz" vor - USA: Mehr als 100 Extremisten getötet

Moskau - Russland hat den NATO-geführten Truppen in Afghanistan Untätigkeit im Kampf gegen den Drogenanbau vorgeworfen. Die russische Anti-Drogen-Behörde kritisierte am Donnerstag, seit der Ankunft der NATO-Truppen in Afghanistan sei der Mohnanbau nicht etwa zurückgegangen, sondern es habe eine "Explosion" der Opium-Produktion gegeben. Der Chef der Drogenbehörde, Alexander Fjodorow, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Opiumproduktion habe allein im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel zugenommen.

Der afghanischen Regierung und den internationalen Truppen warf er "Ineffizienz" im Anti-Drogen-Kampf vor. Seinen Angaben zufolge arbeiten derzeit 3,3 Millionen Afghanen im Drogenanbau und in der Produktion. Afghanistan ist demnach verantwortlich für fast 93 Prozent des weltweit produzierten Opiums, dem Grundstoff für Heroin.

Hundert Tote

Das UN-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) hatte Anfang der Woche mitgeteilt, dass die Drogenproduktion in Afghanistan im Jahr 2008 erstmals seit drei Jahren zurückgegangen ist. Dies habe unter anderem an der Trockenheit gelegen. Durch den Drogenanbau fließen den radikalislamischen Taliban demnach jedes Jahr 300 Millionen Dollar (rund 205 Millionen Euro) in die Kassen.

Unterdessen wurde bekanngegeben, dass afghanische und ausländische Soldaten bei Kämpfen im Süden des Landes nach US-Angaben mehr als 100 Extremisten getötet haben. Die US-Streitkräfte teilten am Donnerstag mit, die Einheiten seien bei einem Einsatz in der Provinz Helmand wiederholt mit Granatwerfern und Handfeuerwaffen angegriffen worden. Die Kämpfe hätten am Montag begonnen und bis Donnerstag angedauert.

Die afghanische Regierung übernahm inzwischen die Verantwortung für die Sicherheit der Hauptstadt Kabul. Die Maßnahme gilt zwar als symbolischer Akt, ist aber auch Ausdruck der gewachsenen Stärke der Sicherheitskräfte. Die Zahl der Soldaten soll in den kommenden Jahren von 57.000 auf 120.000 steigen. Der Polizei gehören 82.000 Beamte an. Die Taliban haben in diesen Jahr den Druck auf die Regierung und die ausländischen Streitkräfte erhöht. Dessen ungeachtet ging die Zahl der Anschläge in Kabul merklich zurück. (APA)

 

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