EU-Kommission nimmt sich ungenaue Handy-Abrechnungen vor

28. August 2008, 15:42
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Medienkommissarin Reding ist nicht-sekundengenaue Taktung ein Dorn im Auge - Handy-Telefonieren im EU-Ausland wird ab Samstag günstiger

Die EU-Kommission will gegen die nicht-sekundengenaue Abrechnung von Mobilfunkgesprächen im EU-Ausland vorgehen. Aktuelle Zahlen nationaler Telekom-Regulierer zeigen, dass die Verbraucher derzeit 24 Prozent mehr Minuten zahlen, als die tatsächliche Anrufdauer bei aktiven Gesprächen ausmache, und 19 Prozent mehr bei ankommenden Gesprächen, sagte der Sprecher von EU-Medienkommissarin Viviane Reding am Donnerstag. Am kommenden Samstag, den 30. August, wird telefonieren mit dem Handy im EU-Ausland nochmals günstiger.

1 Minute, 2 Sekunden wie 2 Minuten verrechnet

"Es gibt ein interessantes und ein wenig beunruhigendes Phänomen", sagte der Sprecher von EU-Medienkommissarin Viviane Reding am Donnerstag. Einige Betreiber verrechneten für ein Telefonat von einer Minute und zwei Sekunden das, was sie für ein Gespräch von zwei Minuten verrechnen können. Die Brüsseler Behörde will Ende September, Anfang Oktober weitere Vorschläge zu Roamingkosten machen und könnte sich dabei auch der Abrechnungsproblematik annehmen, so der Sprecher.

Bisherige Roaming-Grenzen noch zu hoch

Auch die nationalen Regulierer sind auf Grundlage neuer Kostenanalysen zu dem Schluss gekommen, dass die in der bisherigen Roamingverordnung festgesetzten Preisobergrenzen "um rund 0,08 Euro pro Minute zu hoch sind, sowohl auf der Großkundenebene als auch beim Endkundentarif", so die Kommission. Gemäß der im Vorjahr in Kraft getretenen Roaming-Verordnung sinken die Obergrenzen für die Roaming-Tarife am Samstag um weitere 3 Cent auf maximal 0,46 Euro (netto) für getätigte Anrufe und maximal 22 Cent für angenommene Gespräche.

Ab Samstag günstiger

Österreichischen Mobilfunkkunden dürfen damit ab Samstag für getätigte Anrufe maximal 0,55 Euro pro Minute verrechnet werden, für eingehende Telefonate maximal 0,26 Euro. Marktführer A1 kündigt die niedrigeren Tarife ebenso wie One bereits im Internet an, bei T-Mobile finden sich noch die aktuellen Gebühren. Der kleinste Handynetzbetreiber Österreichs "3" hat schon bisher 0,45 Euro bzw. 0,25 Euro verrechnet, wie auf der Homepage nachzulesen ist, hat also eigentlich keinen Reduktionsbedarf.

Weitere Schritte angekündigt

Am 30. August 2009 erfolgt die nächste Preisreduktion auf 0,43 Euro (netto) für aktive und 0,19 Euro für erhaltene Gespräche. Die EU-Roaming-Verordnung gilt nur für die Sprachtelefonie, wer also mit dem Handy oder mit einer Datenkarte im Ausland surft oder SMS verschickt, kann beim Öffnen der Telefonrechnung weiterhin einen Schock bekommen. Doch auch hier hat die EU-Kommission bereits Schritte angekündigt. Reding zielt auf Preisobergrenzen bei SMS von 0,11 bis 0,15 Euro, zuzüglich Mehrwertsteuer. (APA)

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