Österreicher Zeuge bei Anschlag auf Kommunalpolitiker

28. August 2008, 15:38
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Konflikt um Flussumleitung des Rio Sao Francisco

Wien - Der Leiter des "Welthauses" Wien, Christoph Watz, wurde bei einer Solidaritätsreise in Brasilien Zeuge der dramatischen Auseinandersetzungen rund um das Großprojekt der Flussumleitung des Rio Sao Francisco. Wie Watz laut Kathpress vom Donnerstag berichtete, wurde am 23. August der 36-jährige Gemeinderatskandidat Mozeni Araujo de Sa, eine Führungspersönlichkeit der Truca-Indigenas, in dem Städtchen Cabrobo (Bundesstaat Pernambuco) ermordet.

Araujo de Sa war in Begleitung seines 13-jährigen Sohnes, als ein "unbekannter Täter" mehrere Schüsse auf ihn abgab. Der Gemeindepolitiker war ins Visier der "Latifundistas" und Agroindustriellen geraten, weil er sich seit Jahren gegen das Großprojekt eingesetzt hatte. Am Tag seiner Ermordung hatte eine "Volksversammlung" der Truca stattgefunden, bei der ein Buch über den Widerstand gegen das Großprojekt Rio Sao Francisco öffentlich präsentiert wurde.

Anzeige gegen Militärpolizisten

Hinzu kommt, dass Araujo de Sa am 30. Juni 2005 Augenzeuge eines brutalen Verbrechens war: Damals stürmten vier Militärpolizisten in Zivil das Lokal, in dem gerade eine "Volksversammlung" der Truca stattfand und feuerten gezielt auf einzelne Personen; zwei Truca wurden dabei getötet und einer schwer verletzt. Araujo de Sa konnte die Täter identifizieren und erstattete mehrfach Anzeige. Die Täter leben allerdings bis heute auf freiem Fuß und wurden von der Justiz nicht zur Rechenschaft gezogen.

Watz besuchte mit einer kleinen Delegation der brasilianischen "Kommission für Landseelsorge" (CPT) die Familie von Araujo de Sa und drückte auch im Namen der "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission" (KOO) sein Mitgefühl aus. Im Rahmen der Solidaritätsreise war Watz mit der CPT-Delegation auch im militärischen Sperrgebiet, in dem die Erdarbeiten für die Flussumleitung stattfinden. Die verantwortlichen Offiziere präsentierten das Großprojekt als großen Fortschritt und wiesen mehrmals daraufhin, dass die Präsenz des Militärs auch "mehr Sicherheit" in die Region gebracht habe. Die Anfrage von Watz, wie es denn geschehen könne, dass ein Kommunalpolitiker am helllichten Tag ermordet werde, blieb unbeantwortet.

Die Umleitung des Rio Sao Francisco - mit 3.160 Kilometer Länge der viertlängste Strom Amerikas - sorgt seit Jahren für Streit. Die Regierung will angeblich durch die teilweise Ableitung des Flusses Millionen Menschen in Dürrezonen mit Wasser versorgen. Kritiker meinen dagegen, dass nur vier Prozent des Wassers für die Bevölkerung bestimmt seien. Das meiste diene dem Wasserbedarf von agro-industriellen Großbetrieben und Verarbeitungsindustrien. (APA)

 

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