US-Wirtschaft überrascht positiv

29. August 2008, 12:49
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Das Bruttoinlandsprodukt stieg mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,3 (erste Schätzung 1,9) Prozent nach 0,9 Prozent im Vorquartal

Washington - Höhere Konsumausgaben und gestiegene Exporte haben die US-Wirtschaft im zweiten Quartal überraschend stark beflügelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,3 Prozent; das ist das stärkste Wachstum seit dem Sommerquartal 2007, wie das US-Wirtschaftsministerium am Donnerstag nach revidierten Berechnungen mitteilte. Zuvor war das Ministerium noch von einem Wachstum um 1,9 Prozent ausgegangen. Weil aber ein milliardenschweres Konjunkturpaket der US-Regierung ausläuft und sich zudem die Wirtschaft weltweit eingetrübt hat, erwarten Experten für die zweite Jahreshälfte ein schwächeres Wachstum.

Die US-Wirtschaft erwies sich als deutlich robuster als die Euro-Zone. Hier ging die Wirtschaftsleistung im Frühjahr erstmals seit Beginn der Berechnungen 1995 zurück, viele Experten halten eine Rezession für wahrscheinlich. "Klar ist, dass das zweite Quartal in den USA keine Schrumpfungsperiode war, sondern sogar ziemlich stark", sagte Michael Eglund, Chefvolkswirt von Action Economics. James O'Sullivan von UBS Securities verweist jedoch auf andere Konjunkturdaten, die schwach ausgefallen seien. Dies wecke Zweifel an den Wachstumszahlen. "Sie scheinen die Stärke überzubetonen, auch wenn die Exporte tatsächlich gestiegen sind." Im Schlussquartal 2007 ging die US-Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zurück, das war so stark wie seit Sommer 2001 nicht mehr, als die USA in einer Rezession steckten.

Die Unternehmen profitierten vom schwachen Dollar und steigerten ihre Exporte stärker als erwartet. US-Firmen exportierten 13,2 Prozent mehr als im Vorjahr, zuvor war lediglich von einem Anstieg um 9,2 Prozent ausgegangen worden. Auch in den kommenden Monaten dürfte die Außenwirtschaft die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft bleiben, sagte Postbank-Ökonom Brian Mandt. Zuletzt war der Dollar jedoch gestiegen; weil zugleich sich die Konjunktur weltweit abkühlt, könnte die Nachfrage nach US-Produkten zurückgehen.

Privater Konsum

Auch der private Konsum erwies sich im Frühjahr stärker als bisher erwartet. Die US-Verbraucher steigerten ihre Ausgaben um 1,7 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte stärker als zunächst angenommen. Die privaten Ausgaben machen zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Um die Wirtschaft zu stützen, hatte die US-Regierung im Frühjahr Steuerschecks versandt. Das dürfte zumindest zum Teil die höheren Ausgaben der Verbraucher erklären. Experten befürchten allerdings, dass dieser Effekt im zweiten Halbjahr ausläuft.

Das Platzen einer Immobilienkrise hatte die US-Wirtschaft in Schieflage gebracht und eine weltweite Finanzkrise ausgelöst. Ein Anzeichen dafür, dass die Schieflage am Wohnimmobilienmarkt noch nicht ausgestanden ist, ist die schwache Konjunktur am Bau. So verzeichnete der Wohnbau einen Rückgang um 15,7 Prozent. Seit Monaten gehen die Preise für Wohnimmobilien zurück, zuletzt war der Preisverfall in Ballungsräumen so hoch wie nie.

Der Arbeitsmarkt erwies sich zuletzt als robuster: In der vergangenen Woche meldeten sich 425.000 Menschen arbeitslos, 10.000 weniger als in der Woche zuvor. (APA/Reuters)

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