Mikropartikel aus Zucker zur Blutreinigung

28. August 2008, 20:49
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Die polymeren Trägersubstanzen müssen bestimmten Anforderungen genügen und könnten künftig auch Wasser reinigen und Gifte aufspüren

Wien - Mit maßgeschneiderten Mikropartikeln aus Zucker wollen WissenschafterInnen der Technischen Universität (TU) Wien nicht nur Blut, sondern in Zukunft auch Wasser reinigen und gezielt Gifte aufspüren und entfernen. Die Kügelchen wurden in Zusammenarbeit mit der Donauuniversität Krems für die Blutwäsche (Dialyse) entwickelt.

"Wir arbeiten mit polymeren Trägersubstanzen in Form von kugelförmigen Mikropartikeln, die für den Einsatz in wässrigen Medien geeignet sind. Sie werden auf der Basis von Kohlenhydraten, genauer gesagt Zuckern wie Glucose (Traubenzucker), Saccharose (Rübenzucker) beziehungsweise Galactarsäure (Schleimsäure), chemisch synthetisiert und müssen bestimmten Anforderungen genügen", erläuterte Simone Knaus, Professorin am Institut für Angewandte Synthesechemie der TU Wien. Die zwischen 50 und 200 Mikrometer (tausendstel Millimeter) großen Partikel sind absolut biokompatibel und wasserverträglich, quellen also in Wasser auf und werden von diesem gut benetzt.

Ablauf und Herausforderung

Bei dem an der Donau-Universität entwickelten Blutwäschesystem wird das Blut in einen externen Kreislauf hineingepumpt und kommt so mit den Mikropartikeln in Kontakt. Die Partikel werden konstant in Bewegung gehalten und der Austausch erfolgt schneller als bei der herkömmlichen Dialyse. Eine Herausforderung für die ForscherInnen war es, die Zuckerkügelchen einerseits chemisch stabil und haltbar zu machen, andererseits doch so zu gestalten, dass sie noch weitere chemische Reaktionen eingehen können. Denn an die Mikropartikel werden verschiedenste spezifische Liganden (Ankergruppen für die aus dem Blut zu entfernenden Komponenten) angebunden, welche die eigentliche Arbeit erledigen. Sie binden etwa bestimmte Abbauprodukte des Stoffwechsels und entfernen sie aus dem Blut.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Nun erweitern die Wiener Forscher das Einsatzgebiet ihrer Zuckerkügelchen, etwa auf das Gebiet der sogenannten Affinitätschromatografie. Mit dieser Technik ist es möglich, aus Flüssigkeiten oder biologischen Systemen ganz gezielt Komponenten zu isolieren und anzureichern. Durch die Flexibilität der Partikel bzw. die Vielfalt der möglichen Anhängsel eignen sie sich nachweislich auch für die Synthese von Eiweißstoffen (Proteinen). (APA/red)

  • Mikropartikel aus Zucker (rechts ist die poröse Oberfläche zu sehen)
    foto: tu wien

    Mikropartikel aus Zucker (rechts ist die poröse Oberfläche zu sehen)

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