Abschied von Wolfgang Wagner in Bayreuth

28. August 2008, 14:34
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Emotioneller Festakt für scheidenden Patriarchen

Bayreuth - Viel Beifall und Jubel zum Abschied des 88-jährigen Bayreuther Festspielspielleiters Wolfgang Wagner nach 57 Jahren: Am Donnerstag nahm der scheidende Patriarch in einer Probehalle hinter dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel Ovationen seiner Mitarbeiter und Weggefährten entgegen - gerührt bis den Tränen nah. Rund 750 Gäste aus Kunst und Politik waren erschienen.

Eine Abschiedsvorstellung am Abend und die Verabschiedung durch Bayerns Ministerpräsident Beckstein sind geplant. Eine bühnengerechte Inszenierung gab es bereits bei der Abschiedsfeier am Mittag: Wagner thronte auf einem Stuhl aus Edelholz, dessen Lehnen Drachenköpfe zieren. Dieser war zu Beginn der Zeremonie hinter einer Stellwand aus schwarzem Samt verborgen. Als Helfer diese entfernten, brandete tosender Beifall auf. Wagner erhob sich mehrmals kurz, grüßte, lächelte und nickte in die Menge. Als sogar "Huuuu"-Schreie ertönten, zogen sich Wagners Mundwinkel nach unten, seine Augen schienen feucht.

Kurz darauf schon donnerten Blechbläser die ersten Stöße eines Wagner-Marsches in die Halle. Rund 80 Orchestermusiker sowie der Festspielchor aus etwa 60 Sängern erwiesen Wagner so die Ehre. In der anschließenden Laudatio lobte Peter Emmerich, der Pressechef der Festspiele, den Richard-Wagner-Enkel als "unprätentiös und pragmatisch", nichts Menschliches sei ihm fremd. Emmerich sagte, mit Wagner gehe in Bayreuth ein Zeitalter zu Ende. "Ich hoffe, Sie verlassen die Bühne als glücklicher Mensch."

Die Feierlichkeit klang aus mit einer Kostümshow, die Gestalten aus Bayreuther Wagner-Opern des vergangenen halben Jahrhunderts zeigte. Nach Ende des offiziellen Teils bildete sich eine lange Warteschlange von Weggefährten, die ihm persönliche Worte sagten. Wagner richtete keine offiziellen Worte an das Publikum. Am Samstag wird er 89 Jahre alt, am Sonntag ist sein letzter Tag als Festspielleiter. Über seine Nachfolge soll am nächsten Montag der Stiftungsrat in Bayreuth entscheiden. (APA/dpa)

 

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