Kopf des Tages: Herbert Liaunig

28. August 2008, 14:21
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Harter Sanierer und sparsamer Museumsbauer: Am Donnerstag wurde in Südkärnten die Heimstatt für Liaunigs Sammlung zeitgenössischer Kunst eröffnet

Seine ersten Sammlungsstücke, Arbeiten von Arnulf Rainer, stotterte er als Student in Hundert-Schilling-Raten von seinem Salär als Hotelportier ab. Heute muss sich der Kärntner Kunstsammler Herbert Liaunig keinen Kopf mehr darüber zerbrechen, ob er sich einen Rainer leisten kann.

Trotzdem ist der 63-jährige Erfolgsunternehmer - Liaunig lernte das Sanierungshandwerk beim Industriellen Herbert Turnauer und wurde 1988 mit der eigenen Auricon AG flügge - sparsam geblieben. Seiner Sammlung (mehr als 2000 Werke) baute er keinen goldenen Tempel, sondern eine zweckmäßige, schlichte Behausung, dessen Baukosten um die Hälfte pro Quadratmeter niedriger sein sollen als bei Museumsbauten üblich. Liaunig kommt aus der Industrie, eine "bürgerliche Luxusherberge" kam daher nicht infrage, auch wenn er selbst im Schloss Neuhaus im Lavanttal residiert.

Die Präambel von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gilt für den als unbarmherzig beschriebenen Sanierer zahlloser maroder Unternehmen, darunter Jenbacher und Waagner-Biró, freilich auch für das eigene Museum. Im Winter spart er Kosten, indem er das ohnehin nur eingeschränkt zugängliche Haus (Eintritt nach Voranmeldung, Kinder sind unerwünscht) zusperrt und die Temperatur auf zwölf Grad Celsius senkt. Heute wird der Bau nächst Liaunigs Wohnsitz, rund 120 Kilometer von dessen Geburtsort Radenthein entfernt, eröffnet.

Liaunig gibt das Geld lieber für die Kunst aus. Er ist dabei kein Mäzen, will kein Sponsor sein. Solches Engagement sei stets unbedankt. "Ich sammle für mich selbst", betont er. Dass er sich gerne mit Kunst umgibt, sieht man in seinem Wiener Innenstadtbüro, wo so manches Gemälde seiner Sammlung glänzt. Aber nicht immer stieß das Ausstatten seiner Unternehmen mit Kunst auf Gegenliebe.

Neben der zeitgenössischen Kunst, deren österreichische Schwerpunkte mit internationalen Kapazundern wie Tony Cragg, Robert Motherwell und Pierre Soulages akzentuiert werden, gilt Liaunigs Interesse der afrikanischen Kunst. Seine Sammlung von Schmuck- und Kultobjekten der Ashanti, Baule und Ebrie gehört zu den weltweit größten und wichtigsten dieser Art.

Eine weitere Leidenschaft des Vaters zweier erwachsener Söhne gilt dem Weitwandern. Auch das Gehen ist für Liaunig ein Zahlenspiel: Er grüble nicht, sondern zähle Schritte - oder wie viele er binnen einer Minute schafft, hat er einmal verraten. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.8.2008)

Museum Liaunig, 9155 Neuhaus 41. Tel.: 04356-21 115

Link: museumliaunig.at

  • Museum Liaunig
    foto: museum liaunig/artner

    Museum Liaunig

  • Herbert Liaunig, Kärntner Unternehmer und Kunstsammler.
    foto: eggenberger

    Herbert Liaunig, Kärntner Unternehmer und Kunstsammler.

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