Hisbollah will Regierungskrise vermeiden

29. August 2008, 15:41
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Nach Hubschrauberabschuss - Volle Zusammenarbeit mit Armee versprochen

Beirut - Die libanesische Schiitenorganisation Hisbollah hat den irrtümlichen Abschuss eines Armeehubschraubers im Süden des Landes als "schmerzlichen" Zwischenfall bedauert und in einem am Freitag in Beirut herausgegebenen Kommuniqué ihre volle Zusammenarbeit mit den regulären Streitkräften versprochen. An alle Parteien richtete sie zugleich den Appell, von "ungerechtfertigten Interpretationen" des Vorfalls Abstand zu nehmen.

Aus Sicherheitskreisen in Beirut verlautete, Hisbollah-Kämpfer hätten den Hubschrauber vermutlich beschossen, weil sie ihn für einen Helikopter der israelischen Armee hielten. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte in seinem jüngsten Lagebericht ungewöhnlich viele Verletzungen des libanesischen Luftraums durch israelische Militärmaschinen festgehalten.

"Glänzender Offizier"

Der Hisbollah will offensichtlich eine Krise innerhalb der seit Juli amtierenden Allparteienregierung vermeiden. Der hoch angesehene ehemalige Ministerpräsident Selim Hoss, ein konservativer sunnitischer Politiker, erklärte am Freitag, jeder wisse, dass sich der Zwischenfall in einem Gebiet ereignet habe, das vom "nationalen Widerstand" kontrolliert werde. Die Hisbollah müsse erklären, wie es dazu habe kommen können, der Tod eines "glänzenden Offiziers" sei durch nichts zu rechtfertigen. Die Hisbollah ist mit ihrer Miliz durch Parlamentsbeschluss als "nationaler Widerstand" anerkannt. In der "Regierung der nationalen Einheit" unter Premier Fouad Siniora verfügt sie zusammen mit ihren Verbündeten über eine Sperrminorität.

Israel, das sich im Jahr 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte, wirft der schiitischen Organisation vor, ihre militärische Präsenz in dem Gebiet wieder deutlich auszubauen. Dies würde den Waffenruhebestimmungen von 2006 widersprechen, deren Einhaltung von der UNO-Truppe UNIFIL kontrolliert wird. Die Hisbollah hatte die israelische Offensive mit der Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten provoziert und 4000 Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Aus dem Konflikt mit mehr als 1200 libanesischen und 160 israelischen Toten ging sie politisch gestärkt hervor. In den Augen der israelischen Führung ist es die Hisbollah, die in der Regierung den Ton angibt und die Fäden zieht. Aus israelischen Regierungskreisen war verlautet, die libanesische Regierung habe "auf der ganzen Linie" vor der Hisbollah "kapituliert" und deren Forderungen vollständig erfüllt. Nach Informationen der israelischen Geheimdienste soll die libanesische Armee ihre Kontrollen der Waffenlieferungen an die Hisbollah von Syrien aus "völlig eingestellt" haben. (APA)

 

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