Lohnrunde: ÖGB-Chef zeigt sich flexibel

28. August 2008, 18:39
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Rudolf Hundstorfer erklärte in Alpbach, dass er einen Abschluss unter der Inflationsrate als "Frechheit" empfinden würde

Alpbach - Kurz vor Beginn der Herbstlohnrunde wird die Diskussion um eine Abgeltung der Teuerung hitziger. ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer drängt auf die Sicherung der Kaufkraft durch hohe Abschlüsse. Die Forderung nach maßvollen Anpassungen der Mindest- und Istlöhne sei für ihn "kein Maßstab". Und Rufe, keine volle Inflationsabgeltung vorzunehmen, sind für Hundstorfer gar eine "Frechheit", wie er bei den Wirtschaftsgesprächen des Forums Alpbach erklärte.

Anlass für die Empörung ist offenbar die Äußerung von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein vom Vortag, wonach ein "produktivitätsorientierter Abschluss" im Vordergrund stehen solle. Zudem verweisen Industrie-Granden zusehends auf den hohen Anteil der importierten Teuerung, der die Betriebe nichts entgegenzusetzen hätten. "Das spielt es nicht", so die Reaktion des Gewerkschaftschefs. Abgesehen davon sieht er auch wegen der gestiegenen Lohnstückkosten "Platz für eine vernünftige Lohnrunde".

"Alles ist möglich"

Offen zeigt sich Hundstorfer zur Forderung von Industrie-Präsident Veit Sorger, nach Branchen oder Ertragslage zu differenzieren: "Alles ist möglich." Sorger tritt für Einmalzahlungen anstatt "überdimensionierter Lohnerhöhungen" ein. Betriebe, die es sich leisten können, sollen überdies mehr zahlen.

Beim Abschluss der Wirtschaftsgespräche stand die Marktwirtschaft und ihr Verhältnis zum Staat im Mittelpunkt. Der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer lobte die Marktwirtschaft als "produktivstes Wirtschaftssystem", plädierte aber für eine Korrektur des Neoliberalismus, dessen "Bilanz nicht allzu glorreich ist". Wenn nun nach den Verwerfungen an den Finanzmärkten nach den selbstregulierenden Kräfte gerufen werde, wäre das so, als würde man bei der Tour de France auf Dopingkontrollen verzichten, meinte der Kanzler.

IHS-Chef Bernhard Felderer konterte, dass bei der Finanzkrise "die Politik versagt hat, nicht die Marktwirtschaft. Die Marktwirtschaft hat sich so verhalten, wie es ihr die Rahmenbedingungen erlaubt haben." Hier vermisst der Ökonom übrigens eine Kontinuität der Spielregeln, vor allem in Ländern wie Frankreich und Italien, aber auch in Österreich. Als Beispiel nannte Felderer die Anhebung der Mineralölsteuer zur Eindämmung der Treibhausgase - kurz darauf wurde die Pendlerpauschale angehoben, was den gegenteiligen Effekt habe. (as, DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2008)

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