Mehr Orientierung für Neo-Wiener

28. August 2008, 13:23
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In Wien startet demnächst eine ganze Reihe neuer Beratungsangebote für Migranten - Die konkreten Ziele der Zuwanderungs-Politik bleiben aber vorerst offen

Wien - Um die Jungen macht sich Sandra Frauenberger (SPÖ) ernsthaft Sorgen. "Bei den 15-, 16-Jährigen haben wir ein Problem, das will ich auch gar nicht beschönigen", sagt die Wiener Integrationsstadträtin. Dem Schulpflichtalter entwachsen, interessieren sich frisch zugezogene Kids offenbar mäßig fürs Deutschlernen. Ihnen soll mittels Streetwork klargemacht werden, dass Sprachkompetenz und Berufsausbildung Voraussetzung für ein besseres Leben in der neuen Heimat sind - für 2009 plant Frauenberger einen "Jugendschwerpunkt".

Abgesehen von jenem Teil junger Migranten, die mangels Perspektiven auf die schiefe Bahn geraten könnten, ist für die SPÖ in Sachen Integration aber alles paletti: "Ich lasse mir die unflätige Form, mit der versucht wird, unsere Stadt runterzumachen, nicht gefallen", sagt Michael Häupl (SPÖ). "Wien ist eine Weltstadt, das Zusammenleben funktioniert gut."

Zur Veranschaulichung lud der Bürgermeister gemeinsam mit der Integrationsstadträtin Mittwochabend Journalisten zum Hintergrundgespräch in ein türkisches Lokal in Ottakring. Frauenberger stellte bei dieser Gelegenheit jene Maßnahmen vor, die Zuwanderern die Integration künftig erleichtern sollen. Im Herbst startet unter anderem die "Integrations- und Niederlassungsbegleitung", die Neo-Wiener in Bildungs-, Wohn- und Arbeitsfragen unterstützt. Außerdem soll eine Wiener Zuwanderungskommission eingerichtet werden. Wann ein Expertenteam damit beginnen kann, sich über die Ziele der Zuwanderungspolitik Gedanken zu machen und davon konkrete Maßnahmen ableitet, ist aber noch unklar. Dabei haben sich SPÖ, Grüne und ÖVP bereits vor Monaten auf ein Konzept für die Einsetzung einer solchen Kommission geeinigt.

Keinen Nerv für Gemeinsames

Auf die Verschnaufpause nach der EURO folgte allerdings Wahlkampfhektik. Derzeit haben offensichtlich weder SPÖ noch ÖVP den Nerv, ein Gemeinschaftsprojekt zum heiklen Thema Ausländer vorzustellen.

Wobei dies vor allem für die Wiener Volkspartei ein ziemlicher Spagat wäre. Denn während die Bundes-ÖVP kein gutes Haar an der Integrationspolitik der SPÖ lässt, schlagen die Wiener Schwarzen diesbezüglich wesentlich versöhnlichere Töne an. Bildungssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager hat jedenfalls kein Problem damit, Wien als "Einwanderungsstadt" zu bezeichnen. Und die schwarze Wiener Integrationssprecherin Servin Ekici würde - im Gegensatz zu ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon - im Zusammenhang mit Wiener Randbezirken niemals von "Ghettos" sprechen: "Es gibt höchstens eine Tendenz zu Sprach-Enklaven."

Das ehrgeizige Programm der roten Integrationsstadträtin konzentriert sich vor allem auf die frisch Zugezogenen sowie auf den Pflichtschulbereich. An jenen Teil der ehemaligen Gastarbeiter, die seit Jahrzehnten in Wien leben, ohne je richtig Deutsch gelernt zu haben, ist damit schwer heranzukommen. "Wie viele man nicht erreicht, kann man natürlich nie genau sagen", sagt Frauenberger. "Ich glaube aber schon, dass wir einen Teil dieser Leute über ihre Kinder erwischen können." (Martina Stemmer, DER STANDARD - Printausgabe, 29. August 2008)

  • Die neuen Integrationsmaßnahmen richten sich vor allem an frisch
Zugezogene. An jenen Teil der Migranten, die seit Jahren da sind und
nicht Deutsch sprechen, ist weiterhin schwer heranzukommen.
    foto: standard/robert newald

    Die neuen Integrationsmaßnahmen richten sich vor allem an frisch Zugezogene. An jenen Teil der Migranten, die seit Jahren da sind und nicht Deutsch sprechen, ist weiterhin schwer heranzukommen.

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