Donaukanal: Revitalisierung von Otto Wagners Schützenhaus

28. August 2008, 12:29
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Ausschreibung für mögliche Geschäftsideen noch vor Weihnachten - Burghauptmann bevorzugt Idee, im Untergeschoss ein Kaffeehaus zu eröffnen

Wien - In die Revitalisierung von Otto Wagners Schützenhaus am Wiener Donaukanal kommt Bewegung. "2009 wird dort etwas passieren", kündigte der zuständige Burghauptmann Wolfgang Beer gegenüber der APA an. Man habe die Aufwertung durch den U-Bahn-Bau abgewartet, da das Schützenhaus nun gleichsam einen eigenen Anschluss an die U2 habe. Nun würden noch im Sommer die Untersuchungen des Bauzustands durchgeführt, so Beer.

Bereits seit längerem zirkulieren Pläne für den Bau, wobei die Idee eines Jugendstil-Wanderpfades mit zentraler Station im Schützenhaus gestorben sei. Vor Weihnachten soll nun die ergebnisoffene Ausschreibung erfolgen, bei der Interessenten ihre Geschäftsideen einbringen können. Sympathien äußerte der "Hausherr" dabei für die Variante, im Untergeschoß des Baus ein Kaffeehaus einzurichten: "Diese Idee sollte man verwirklichen."

Beginn der Bauarbeiten 2009

Beer zeigte sich für weitere Vorschläge offen, wobei er klarstellte: "Wenn einer kommt und es als Wohnhaus nutzen will, dann sage ich nein." Auch gehe es bei der Ausschreibung nicht um einen Verkauf, da die Immobilie bei der Burghauptmannschaft verbleibe. Bei einem Beginn der Bauarbeiten 2009 dürfte die Gastronomie vermutlich im Frühjahr 2010 eröffnen.

Das bis 1908 errichtete Schützenhaus diente ursprünglich der Staustufe Kaiserbad als Wehrkran samt Führerstand, bevor die Schleuse 1945 zerstört wurde. Verkleidet ist der Bau mit Granit, Marmor sowie blauen Fliesen mit Wellenornamenten. 1977 erfolgte eine erste Restaurierung, wobei die zweigeschoßige Anlage mit 200 Quadratmetern Grundfläche vom Amt für Eich- und Vermessungswesen für Seminare genutzt wurde. Mittlerweile steht das Gebäude jedoch leer.

Weitere Gebäude werden erneuert

Bereits im Laufen sind dagegen die Arbeiten an Wagners "Hosenträgerhaus" gegenüber dem Landesgericht. Der Bau erhielt seinen volkstümlichen Namen aufgrund der über die Gesamthöhe der Fassade gezogenen Mauerblenden. Nachdem vor einigen Jahren bereits eine der drei freistehenden Fassaden saniert wurde, wird die Restaurierung fortgesetzt. "Es kann sein, dass die Gerüste noch bis zum Frühjahr stehen", so Wolfgang Salcher vom Denkmalamt. Unter anderem müssten die Vasen auf dem Dach restauriert werden, die regelmäßig von Krähen angepickt werden.

Beim "Hosenträgerhaus" gab Wagner die Orientierung am Palastschema samt Betonung der Beletage auf, weshalb das 1888 fertiggestellte Gebäude als Schlüsselbau der Zinshausarchitektur gilt. Ein zweigeschoßiger Sockel mit darüber liegenden vier gleichwertigen Geschoßen erinnert an die zur gleichen Zeit in den USA entstehenden ersten Hochhäuser. An den Seitenfronten des Baus finden sich die Figuren Pallas Athene und Venus.

Und auch an einem dritten Wagner-Werk werden derzeit die Spuren des Zahns der Zeit entfernt, wenn auch deutlich bescheidener. Beim 1899 eröffneten "Pavillon des k.u.k. Allerhöchsten Hofes" in Hietzing, der heute dem Wien-Museum beigeordnet ist, wurden die Jugendstillaternen nach einem Wassereintritt abmontiert und sollen bald an ihren Standort an der Schönbrunner Schlossstraße zurückkehren. Der Pavillon, der von Wagner als exklusive Haltestelle der Wiener Stadtbahn für den Kaiser konzipiert wurde, wurde vom Monarchen auch benutzt - allerdings nur zweimal: 1899 um die Untere Wientallinie zu eröffnen und 1902 um die Donaukanallinie zu besichtigen. (APA)

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    Das Schützenhaus von Otto Wagner wird renoviert.

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