In der Türkei wird Gas zu Strom veredelt

28. August 2008, 18:06
posten

Das 500 Millionen Euro teure Gaskraftwerk soll Ende des Jahres 2010 ans Netz, der OMV-Anteil beträgt 60 Prozent

Samsun/Wien - Der Öl- und Gaskonzern OMV steigt nun auch in der Türkei in das Stromgeschäft ein. In Samsun an der Schwarzmeerküste soll ein 500 Millionen Euro-teures Kraftwerk entstehen, das mit russischem Erdgas aus der dort an Land kommenden Pipeline "Blue Stream" gespeist werden soll. Ihren Anteil am Kraftwerksprojekt bezifferte die OMV am Donnerstag mit 60 Prozent.

Mit einer Verlängerung der Wertschöpfungskette liebäugelt die OMV schon seit längerem. 2006 wurde damit die Sinnhaftigkeit der zunächst geplanten, durch politische Querschüsse aber vereitelten Fusion mit dem Verbund argumentiert. Die OMV wollte sich um die Gasversorgung, der Verbund um die Stromvermarktung kümmern. Jetzt gehen beide Energiekonzerne getrennte Wege.

Während sich der Verbund in dem 70 Millionen Einwohner zählenden Land mit Sabanci zusammengetan hat und in den nächsten Jahren zehn Kraftwerke aus dem Boden stampfen will, geht die OMV das Projekt in Samsun mit Borasco Elektrik an, ein auf die Produktion und den Handel mit Strom spezialisiertes Unternehmen.

Partner der OMV bei Burasco ist Turcap Investments, eine Tochtergesellschaft des globalen Finanzdienstleisters Lehman Brothers Holdings (25 Prozent) sowie die Metcap Enerji Yatirimlari (15 Prozent), die dem türkischen Industriellen Celal Metin gehört.

Mit dem Bau soll noch heuer begonnen werden. Ende 2010 soll das Kraftwerk, das auf eine Leistung von 890 Megawatt (MW) ausgelegt ist, ersten Strom ins Netz einspeisen. Der Standort neben dem Terminal der "Blue Stream"-Gaspipeline sei "ein wesentlicher Faktor für eine sichere Gasversorgung", heißt es auf Seiten der OMV.

Rumänien

Auch in Rumänien steigt die OMV, wie berichtet, in das Stromgeschäft ein. Der Startschuss für die Errichtung eines Gaskraftwerks mit einer Leistung von 860 MW ist bereits gefallen. Gebaut wird am Standort der Petrom-Raffinerie Petrobrazi etwa 4 km südöstlich der Stadt Ploiesti, 40 km nördlich von Bukarest. Für Notfälle ist dort auch eine Ölbefeuerung vorgesehen. Das Kraftwerk soll 2011 ans Netz.

Ein drittes Projekt verfolgt die OMV derzeit in Süddeutschland. In Haiming nahe Burghausen will der Mineralkölkonzern ebenfalls in ein Gaskraftwerk investieren. "Die Genehmigungsverfahren sind im Laufen" , sagte ein OMV-Sprecher dem STANDARD.

In den türkischen Markt ist die OMV vor zwei Jahren eingestiegen - mit einer inzwischen auf 41,30 Prozent erhöhten Beteiligung an Petrol Ofisi, dem führenden Tankstellenbetreiber des Landes. (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2008)

Share if you care.