Judäische Volksfront vs Volksfront von Judäa

28. August 2008, 10:58
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Der "Österreichische Tierschutzverein" bittet um eine Klarstellung, denn nichts ist mühsamer, als für etwas geprügelt zu werden, mit dem man nichts zu tun hat

Es war vor ein paar Tagen. Da leitete die Chefin vom Dienst von derstandard.at ein kleines Mail weiter. Und natürlich stehe ich nicht an, es hier zu veröffentlichen. Schließlich ist kaum etwas unangenehmer oder mühsamer, als für etwas geprügelt zu werden, mit dem man nichts - aber auch gar nichts - zu tun hat.

Aber weil es eben ziemlich viele Menschen gibt, die den Unterschied zwischen „ähnlich" und „gleich" nicht mehr kennen, können ähnliche Namen ziemlich geschäftsschädigend sein. Erst recht, wenn man den gleichen Markt beackert. Und ganz besonders, wenn das ein Markt ist, in dem es um Spendengelder, also Glaubwürdigkeit, geht.

Kalender

Dass da der „Österreichische Tierschutzverein" wenig Freude damit hat, dass der „Österreichische Tierschutzverlag" einen ziemlich seltsamen Kalender (siehe Stadtgeschichte vom 21. August 2008) ziemlich früh im Jahr auf ziemlich seltsame Art ziemlich teuer unters Volk bringen will, ist verständlich: Dass der Verlag in Wien 20 und der Verein in Salzburg daheim sind, sieht man schließlich erst, wenn man sich ins Kleingedruckte vorarbeitet.

Und weil der Kalender des Tierschutzverlages allem Anschein nach ziemlich vielen Leuten nicht als ziemliche, sondern als wirklich fette Chuzpe eingefahren ist (oder vielleicht doch: jedes Jahr aufs Neue einfährt?), bittet der Tierschutzverein darum, etwa klarstellen zu dürfen:

Das Mail

„Sehr geehrte Damen und Herren, da wir aufgrund der verwechslungsfähigen Bezeichnung laufend mit Reklamationen konfrontiert werden, wären wir Ihnen für einen Hinweis dankbar, dass der Österreichische Tierschutzverein nichts mit dem Tierschutzkalender zu tun hat.

Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen

fdR SH"

Freilich entbehrt diese Bitte - so berechtigt sie auch ist - nicht einer gewissen Pikanterie: Denn auch der „Österreichische Tierschutzverein" war schon Grund für Verwechslungen. Und ich wage fast zu wetten, dass nicht jeder, der diese Zeilen jetzt liest, wirklich zu hundert Prozent weiß, wo genau die Trennlinie zwischen dem „Wiener" und dem „Österreichischen Tierschutzverein" verläuft.

Unfreundlichkeiten

Denn auch wenn Tierschutzorganisationen in der Sache nach außen oft gemeinsam auftreten, muss man nur ein bisserl am Lack kratzen, um da auf teils schwere Zerwürfnisse zu stoßen. Und der „Wiener" und der „Österreichische Tierschutzverein" sind einander nicht immer ganz grün. Sagen jedenfalls die Agentur-Archive. Denn Presse-Aussendungen mit Texten wie „Endlich kommt auch einer der Geschädigten auf die Idee, den bankrotten Wiener Tierschutzverein in den Konkurs zu schicken. Eine Vorgangsweise, die der Österreichischer Tierschutzverein seit langem verlangt", (OTS aus dem Mai 2004) findet man ohne lange zu suchen. Und sie zeugen nicht unbedingt von einem besonders liebevollen Umgang der Menschen miteinander.

Aber dafür gibt es einen guten Grund: Tierschutz ist Vereinssport. Und Vereinsmeierei ist Religion. Man missioniert - und durchaus auch mit Feuer und Schwert in den eigenen Reihen: Wer sich je in die internen Querelen innerhalb eines Tierschutzvereines hineinziehen ließ, weiß, dass alles, was je in „Dallas" oder „Dynasty" an Intrigen gesponnen wurde, harmlose Sandkastenspiele waren: die zu schützende Kreatur kann ja weder mitreden noch sich nicht wehren - und so weiß es eben der Mensch besser. Vor allem als der Mitmensch.

Manchmal trennen sich die Wege dann auch: In Wien etwa gab es einmal einen „Meerschweinchenfreunde Österreich, Stammtisch seit 1994 (MSFÖst)" aber schon nach einem Jahr konstituierte sich der „Verein der Meerschweinchenfreunde in Österreich, gegründet 1995". Immerhin: Den Meerschweinchen dürfte es egal sein - aber keiner der beiden Vereine verschickt ohne darum gebeten worden zu sein, teure Kalender an halb Österreich. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD; Printausgabe, 28. August 2008)

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