Wiener Privatbank SE steigert Ergebnis deutlich

28. August 2008, 14:26
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Betriebsergebnis im Halbjahr mehr als verdoppelt - Negatives Handelsergebnis, Bilanzsumme geringer - Laut Magazinbericht steht die Privatbank zum Verkauf

Wien - Die börsenotierte Wiener Privatbank SE hat im ersten Halbjahr 2008 trotz des anhaltend schwierigen Marktumfelds im Finanzsektor ein positives Ergebnis erzielt: Das Betriebsergebnis hat sich auf 6,84 (2,96) Mio. Euro mehr als verdoppelt. Insgesamt ergab sich ein Periodenüberschuss ohne Fremdanteile von 4,71 (2,41) Mio. Euro und ein Ergebnis je Aktie von 1,04 (0,52) Euro. Im laufenden Geschäftsjahr 2008 werde sich die Wiener Privatbank insbesondere auf ihre Kernkompetenzen im Bereich Real Estate Products und Beteiligungsmodelle konzentrieren, heißt es in einer Ad-hoc-Aussendung Donnerstag früh.

Im 1. Halbjahr 2008 wurden im Geschäftsfeld Private Banking & Vermögensverwaltung die Assets under Management auf über einer halben Milliarde Euro und die Kundenanzahl bei rund 11.000 gehalten. Das negative Marktsentiment belastete die Entwicklung im Asset Management und Corporate & Investment Banking. Die Nachfrage nach Direktinvestments wie Vorsorgewohnungen oder Beteiligungsmodellen entwickelte sich in der Berichtsperiode als Alternative zu volatilen Aktieninvestments gut, so das Institut.

Die deutliche Steigerung beim Betriebsergebnis resultierte in erster Linie aus dem stärkeren Zinsgeschäft (Zinsüberschuss +66 Prozent auf 1,72 Mio. Euro) und dem Verkauf einzelner Dienstleistungsgesellschaften. Zusätzlich wirkte sich der verminderte Verwaltungsaufwand positiv auf das Betriebsergebnis aus. Belastend waren die schwachen Ergebnisse aus dem Geschäftsfeld Corporate & Investment Banking. Die allgemein abwartende Haltung am Markt und das Ausbleiben von Kapitalmarkttransaktionen führten dazu, dass der Provisionsüberschuss auf 0,87 (4,83) Mio. Euro sank. Das Handelsergebnis war aufgrund der weltweiten Kursverluste mit minus 1,01 Mio. Euro negativ.

Die Bilanzsumme verminderte sich von 180,12 Mio. Euro zum 31. Dezember 2007 auf 160,89 Mio. Euro zum Berichtsstichtag. Dieser Rückgang ist laut Unternehmen auf verringerte Einlagen institutioneller Kunden zurückzuführen, die seit Mitte 2007 kurzfristig bei der Wiener Privatbank veranlagt waren. Das Eigenkapital ohne Fremdanteile lag mit 57,18 Mio. Euro nur leicht unter dem Jahresendwert von 60,93 Mio. Euro, obwohl im 2. Quartal 2008 eine Dividendenausschüttung in Höhe von 6,54 Mio. Euro erfolgte. Die Eigenkapitalquote beträgt 36 Prozent.

Personalrochade

Österreichs einzige börsenotierte Privatbank firmiert seit 23. August 2008 als Wiener Privatbank SE. Die Umwandlung in eine Societas Europaea (SE) wurde mit der Eintragung ins Firmenbuch abgeschlossen. Die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Friedrich Kadrnoska und Günter Kerbler sind nunmehr Mitglieder des Verwaltungsrates. Aufsichtsrats-Vorsitzender Franz Zwickl übernahm den Vorsitz des Verwaltungsrates, Thomas Prader den stellvertretenden Vorsitz. Mitglieder des Geschäftsführenden Direktoriums sind die bisherigen Vorstände Helmut Hardt und Sascha Herczegh.

Die Wiener Privatbank will sich in einem "herausfordernden Marktumfeld 2008" auf ihre Kernkompetenzen im Bereich Real Estate Products und Beteiligungsmodelle konzentrieren. Das Geschäftsführende Direktorium rechnet aufgrund der klaren strategischen Ausrichtung und der guten finanziellen Basis des Unternehmens mit einer soliden Gesamtjahresbilanz 2008, heißt es im Ausblick.

Zum Verkauf?

Die Wiener Privatbank SE steht angeblich zum Verkauf. Bietergruppen aus Osteuropa stehen bereits Schlange, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe. Gute Karten soll ein ukrainisches Konsortium rund um die Wiener Slav AG haben, das in Österreich zuletzt die Bank Burgenland kaufen wollte. Grund für den Verkauf soll der Verlust ihres wesentlichen Geschäftszweckes sein.

Wie das Magazin aus Finanzmarktkreisen erfuhr, liegen die Kaufangebote bei zwischen 60 und 70 Mio. Euro. Nach aktuellem Börsekurs sei die Bank 72,5 Mio. Euro wert.

conwert-Gründer Günter Kerbler, der mehr als ein Drittel an der ehemals im Besitz von Ex-Meinl-Bank-Vorstand Wolfgang Samesch stehenden Bank hält, schließt einen Verkauf nicht aus. Zur Zeit sei aber an keinen Totalverkauf gedacht, sagte er auf Format-Anfrage. Aus ihm nahe stehenden Kreisen heiße es jedoch: "Es wird alles verkauft".

45 Prozent der Bank sind im Streubesitz, 5 Prozent hält conwert-Ko-Gründer Johann Kowar, der Rest gehört privaten Investoren.

Die Wiener Privatbank managte früher das Vermögen der conwert Immobilien AG. Im Vorjahr wurden die Managementverträge internalisiert, also von conwert zurückgekauft. Damit verlor die Bank nicht nur einen Großkunden, sondern auch ihren wesentlichen Geschäftszweck, weshalb sie nun verkauft werden soll, heißt es. (APA)

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