Manche Helden altern in Würde

27. August 2008, 19:37
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Vor der Mall spielten Extrabreit ein Kürzest-Konzert - und besangen das Gefühl, Andreas Baaders Sonnenbrille auf Ebay zu kaufen, um sich dann ein bisserl gefährlich fühlen zu können

Man muss als Moderator nicht besonders feinfühlig sein, um zu wissen, dass kaum jemand mit den Worten "Helden meiner Kindheit" angekündigt werden will. Schon gar nicht, wenn man in den 80ern die Speerspitze einer Szene war - und sich heute im totesten Einkaufszentrum Wiens zwischen (u. a.) Andy Borg, David Hasselhoff oder Stefanie Werger wiederfindet: Am "Walk of Stars" im Simmeringer Gasometer verewigten sich Dienstagnachmittag Stefan Kleinkrieg und Kai Havaii - Angehörige der Generation 40 plus kennen sie als Teile der Neue-Deutsche-Welle-Band "Extrabreit" ("Hurra, Hurra die Schule brennt", "Flieger", "Polizisten").

Im Wien waren sie, weil es ein Album und ein Konzert (am 30. 10.) zu promoten gibt, nebenbei: Dass man im Gasometer für den Gig in der "Szene Wien" warb, hat natürlich gar nichts damit zu tun, dass die Szene kürzlich durch politische Ränke dem Gasometer-Hallenmanagement zugeschanzt worden ist.

Dies Havaii und Kleinkrieg anzulasten wäre aber genauso unfair, wie die Band mit Rock-Rentnern zu vergleichen, die sich für ewig jung halten. Vor der Mall spielten Extrabreit ein Kürzest-Konzert - und besangen das Gefühl, Andreas Baaders Sonnenbrille auf Ebay zu kaufen, um sich dann vor dem Spiegel ein bisserl gefährlich fühlen zu können: Würdevoller kann man das eigene Älterwerden wohl kaum auf die Schaufel nehmen. (Thomas Rottenberg, Der Standard, Print-Ausgabe, 28.08.2008)

  • Abdrücke für die Nachwelt - wo sie keiner sieht: Kleinkrieg (li.), Havaii im Gasometer.
    standard/rottenberg

    Abdrücke für die Nachwelt - wo sie keiner sieht: Kleinkrieg (li.), Havaii im Gasometer.

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