Gericht sucht "Schwein-Sager"-Zeugen

27. August 2008, 19:07
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Kraftwerksgegner Markus Wilhelm steht wegen übler Nachrede vor Gericht

Innsbruck- Der Prozess rund um den angeblichen "Schwein-Sager" des ehemaligen Tiroler Landeshauptmannes Herwig van Staa wurde am Mittwoch vertagt. Bis zum nächsten Verhandlungstermin im Oktober sollen Zeugen gefunden werden, die auf der Breslauer Hütte im Ötztal am 1. September vergangenen Jahres Van Staas Rede anlässlich der "125-Jahr-Feier" des Deutschen Alpenvereins gehört und verstanden haben und aussagen.

Nach der Feier war ein MP3-Mitschnitt von Van Staas Rede auf der Homepage des Kraftwerkgegners Markus Wilhelm aufgetaucht. Im Ausschnitt zu hören sind Teile der Rede Van Staas. Der veröffentlichte Teil soll belegen, dass der ehemalige Tiroler Landeshauptmann Joschka Fischer, Ex-Außenminister von Deutschland, als "Schwein" bezeichnet hat. In der Folge sprach die Volkspartei von einer "Manipulation des Bandes". Der Mitschnitt wurde von mehreren Tonstudios und dem Büro für interne Ange- legenheiten (BIA) geprüft: Mani-pulation konnte an dem Mitschnitt allerdings keine festgestellt werden.

Keine Manipulation

Auch im Gerichtsaal bekannte sich der angeklagte Markus Wilhelm "nicht schuldig". Er habe das Band nicht manipuliert. Der Staatsanwalt warf Wilhelm vor, den damaligen Landeshauptmann Herwig van Staa seit der Veröffentlichung des Tonband-Mitschnittes "verächtlich gemacht zu haben". "Warum haben sie Van Staa nicht persönlich dazu befragt?", wollte der Staatsanwalt wissen und sprach von "mangelnder journalistischer Sorgfaltspflicht".

Wilhelm argumentierte, er habe ohnehin ein Fragezeichen verwendet, um sich zu distanzieren. Das sei für ihn "journalistische Sorgfaltspflicht".

Herwig van Staa, mittlerweile Landtagspräsident, bekräftigte in seiner Zeugenaussage, er habe damals von "Schweigen" nicht von "Schwein" im Zusammenhang mit dem ehemaligen deutschen Außenminister gesprochen. "Das Wort Schwein gehört nicht zu meinem Sprachwortschatz", betonte er. Grund für die Verwechslung der Worte könnte aber eine "Sprachschwäche" sein, Experten hätten ihm bestätigt, dass er das "g" in "Schweigen" möglicherweise verschluckt habe. Außerdem seien bei der Veranstaltung mehr als 100 Personen dabei gewesen, es hätte wohl einen Aufschrei gegeben - zumindest aber eine Reaktion des ehemaligen Außenministers, vermutete Van Staa vor Gericht.

Weitere Zeugen sollen im Oktober klären, was damals auf der Breslauer Hütte gesprochen und auch gehört wurde. (Verena Langegger, Der Standard, Print-Ausgabe, 28.08.2008)

 

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