"Aus China kommt nichts mehr heraus"

27. August 2008, 19:02
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Mit der Bildung von "Superkonzernen" im Bergbau wird derzeit weltweit die Rohstoffbasis abgesichert

Vieles erinnert bei wichtigen Rohstoffen wie Eisen oder Steinkohle an die Situation rund ums Erdöl: Die Preise sind zuletzt förmlich explodiert; China und Indien haben mit ihrem industriellen Aufschwung die Nachfrage und damit die Preise angeheizt.

"Bei vielen Rohstoffen kommt es zu einer Verknappung" , erklärt Fritz Ebner, Professor an der Montanuniversität Leoben. Hatte vor einigen Jahren noch China seinen Stahl auf dem Weltmarkt verkauft, wird er nun für Infrastrukturprojekte im Land benötigt. "Aus China kommt nichts mehr raus" , sagt er. Im Gegenteil, China ist zum größte Aufkäufer von Rohstoffen geworden.
So ähnlich sieht die Situation bei allen Rohstoffen aus. Um ihre Zugriffsmöglichkeiten für die Zukunft abzusichern gehen viele große Bergbau-Unternehmen auf Akquisitionstour. "Da fressen die großen Unternehmen die kleinen. Das erinnert sehr oft an eine Monopolisierung" , analysiert Ebner. "Da entstehen Superkonzerne". Außerdem ist China bekanntlich dabei, sich auf dem afrikanischen Kontinent mit bilateralen Verträgen Zugriffsrechte für Rohstoffe zu sichern.

Der weltweite Handel mit Eisenerz wird mittlerweile von zwei großen Gruppen dominiert: BHP Billiton und Rio Tinto. Zusammen kontrollieren die beiden ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Rohmaterials für Stahl. Dass da die geplante 127-Milliarden-Dollar-Übernahme von Rio Tinto durch BHP Billiton vielen Staaten ein Dorn im Auge ist, ist nur logisch. Vorsorglich hat sich deshalb China über die staatliche Chinalco erst kürzlich einen Minderheitsanteil an Rio Tinto gesichert.

Zugriffsabsicherung

Andere Bergbau-Riesen wie die Schweizer Xstrata setzen auf Diversifizierung - um so künftig vor Schwächungen im Markt geschützt zu sein. So hat die Schweizer Xstrata, deren Hauptgeschäft bei Kraftwerkskohle liegt, Interesse am weltweit drittgrößten Platinhersteller, der südafrikanischen Lonmin, angemeldet.

Was die Verschiebungen am Rohstoffmarkt noch begünstigt: Die höchst unterschiedlichen Umweltstandards in den Märkten. Gerade in den Ländern, in denen viele Rohstoffe lagern ist das Kioto-Protokoll mit seinen Zielen, Treibhausgase einzusparen, häufig nicht anerkannt; gleichzeitig ist das der Abbau ein äußerst CO2-intensives Geschäft.

Das beste Beispiel für die Abneigung gegenüber dem Kioto-Vertrag ist Australien, das zusammen mit den USA eine Ratifizierung lange Jahre nicht durchführte - und erst kürzlich bekanntgegeben hat, das Protokoll anerkennen zu wollen. Und Länder wie China, Indien und andere rohstoffreiche Entwicklungsländer verlangen, dass ihnen im Rahmen der künftigen Treibhausgas-Regimes sowieso Ausnahmen zugestanden werden.

"In Europa war man halt lange der Meinung, Rohstoffe baut man nicht selbst ab, die kauft man zu" , sagt Ebner. Dementsprechend kam es eher zu Bergwerksschließungen und zu keinen neuen Minen-Eröffnungen. "Jetzt aber wacht die Politik auf und bemerkt, dass die Rohstoffe häufig aus unzuverlässigen Regionen kommen und dass eine zu große Abhängigkeit für einen Wirtschaftsraum wie die EU nicht gut ist" . (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.8.2008)

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