Gute Freunde oder: Das System Haider

27. August 2008, 18:50
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Das dritte Lager in Österreich, also die rechten Parteien, war stets gut mit der Wirtschaft vernetzt. Nicht zuletzt dank Jörg Haider

Dieser muss sein System nun ankurbeln, um kommende Wahlen schlagen zu können.

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Klagenfurt - Jörg Haider galt einst als genialer Netzwerker, der über sein Freundesnetzwerk nicht nur Informationen, sondern auch jede Menge Spendengeld für seine politische Tätigkeit lukrieren konnte. Sein Aufstieg mit der FPÖ in den 90ern bis zum Regierungseintritt war begleitet vom Wohlwollen vieler Industrieller. Darunter befanden sich illustre Namen: die Familien Flick und Kapsch, Mautner-Markhof, der heutige Industriellenpräsident Veit Sorger, der damalige Billa-Boss Veit Schalle, der Papierindustrielle Thomas Prinzhorn, Fleisch-Milliardär Ernst Hofmann, die Bautycoons Hans Peter Haselsteiner (er leistet sich heute eine eigene Partei, das LIF) und Robert Rogner, Kika-Boss Herbert Koch, der Holzindustrielle Hans Tilly, der Maschinenbauer Hans-Jörg Springer oder der Kärntner Benzindiskonter Erich Rudolf, Software-Unternehmer Dieter Schwarzenbacher und viele mehr.

Neue Mittel gesucht

Über Spenden freilich sprach man nie öffentlich. Vom inzwischen verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer, der Haider wie einen Ziehsohn behandelt haben soll, ist nur überliefert, diesem angeblich vier Millionen Schilling im Plastiksackerl gegeben zu haben. Auch die Industriellenvereinigung (IV) half. So wurde die private Homepage des Finanzministers Karl-Heinz Grasser finanziert (der Kärntner Autohändlersohn, heute Jetsetter und Meinl-Power-Manager, ist eine Erfindung Haiders und wurde FPÖ-Finanzminister, weil Bundespräsident Thomas Klestil Prinzhorn 2000 nicht akzeptierte).

Nach der Selbstsprengung in Knittelfeld (2002) und der Gründung des BZÖ (2005) floss das Geld spärlicher. Die IV verlegte sich auf die Bezahlung von Mitarbeitern des Verkehrsministers Hubert Gorbach oder des Dritten Nationalratspräsidenten Prinzhorn. Nicht wenige der früheren angeblichen Freunde - etwa der Ferlacher Waffenindustrielle Gaston Glock - machten sich spätestens nach der Implosion des dritten Lagers rar. Andere, wie sein Intimus Hofmann, schlitterten in die Pleite. Die Kärntner Wahlkämpfe 1999 und 2004 verschlangen Unsummen. Er musste die BZÖ-Parteienförderung bis 2014 an die Kärntner Hypo verpfänden. Jetzt braucht er dringend neue Mittel.

Bezahlt wird vom Steuerzahler

Als potenzielle Haider-Gönnerin wird weiterhin Flick-Witwe Ingrid vermutet. Auch Veit Schalle (für das BZÖ zuletzt unauffälliger Abgordneter im Parlament) residiert im Sommer am Wörthersee mit seiner Gattin, Interio-Chefin Janet Kath. Ebenso Magna-Boss Frank Stronach und sein CEO Siegfried Wolf. Beide haben sich relativ günstig Immobilien gekauft, Stronach etwa das Schloss Reifnitz um einen Schnäppchenpreis von der BZÖ-regierten Gemeinde. Der neue Chef des renovierten Hotels Werzer's in Pörtschach, der steirische Bauunternehmer Hans Werner Frömmel, erhielt eine Appartmentwidmung vom Land. In der engeren Umgebung des Landeshauptmannes wird auch der Solarzellenproduzent Robert Kanduth oft gesehen, der vor Jahren dank einer Solarzellen-Förderaktion des Landes gut verdiente.

Vieles dürfte heute über BZÖ-Regierungsreferate, Landes- und landesnahe Gesellschaften laufen. Auf deren Werbemittel scheint Haiders Konterfei inflationär auf. Bezahlt wird alles vom Steuerzahler. So wurden etwa in der Kärnten Werbung acht Mio. Euro anlässlich der Fußball-EM verbraten, mit welchem Zweck, wird derzeit von einem U-Ausschuss untersucht. Hier, wie auch bei Unregelmäßigkeiten um den SK Austria Kärnten sowie um ein Entwicklungshilfeprojekt ist Haiders ehemaliger Adlatus Franz Koloini verwickelt.

Immer wieder ist auch davon die Rede, dass nach Landesförderungen dankbar Geld ans BZÖ zurückfließt. Erhärten lässt sich das nicht, Betroffene reden nur hinter vorgehaltener Hand: Man will es sich nicht mit dem Landeschef verderben. Denn Projekte können jetzt dank des mit hunderten Millionen aus dem Hypo-Alpe-Adria-Anteilsverkauf prallgefüllten "Kärntner Zukunftsfonds" jede Menge finanziert werden. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.8.2008)

  • Bei ihrem Kampf gegen Rot-Schwarz kam den rechten Recken, ob nun
blau oder orange, die finanzielle Unterstützung mächtiger Lehensherren
aus der Industrie zuletzt abhanden.

    Bei ihrem Kampf gegen Rot-Schwarz kam den rechten Recken, ob nun blau oder orange, die finanzielle Unterstützung mächtiger Lehensherren aus der Industrie zuletzt abhanden.

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