Echolot macht's nicht allein: Fledermäuse können selbst Spinnen trippeln hören

29. August 2008, 18:49
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Für Jagd auf Bodenbewohner ist Ultraschall-Ortung kaum geeignet - doch Fledermäuse haben ein überaus scharfes Gehör

Seewiesen - Fledermäuse sind nicht allein auf Echolot-Ortung angewiesen: Die fliegenden Säuger verfügen auch über ein extrem sensibles Gehör, mit dem sie Beutetiere wie Insekten oder Spinnen beim Laufen wahrnehmen können. Das Team um Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen konnte nun feststellen, wie sich die Beutetiere durch ihre Fortbewegung den lauschenden Jägern verraten. Über die neusten Erkenntnisse berichten sie im Fachmagazin "Journal of Experimental Biology".

"Hochfliegende Fledermäuse, die in der Luft nach Insekten jagen, können sich auf den Ultraschall verlassen. Allerdings gibt es eine Reihe von Fledermaus-Arten, die weit weniger hoch fliegen und sich während der Nacht Beutetiere vom Boden holen", so Siemers , der die Nachwuchsgruppe Sinnesökologie am Max-Planck-Institut für Ornithologie leitet. "Bewegt sich das Beutetier zu nahe am oder gar auf einem Untergrund, so überlappt sich das Bodenecho mit dem der Beute. Damit ist der Ultraschall bei dieser Beutejagd ungeeignet. Die Tiere müssen sich also auf ihren Hörsinn verlassen." Was die Forscher dabei besonders interessiert hat, war die Frage, wie gut man einen leichtfüßigen Weberknecht oder einen raschelnden Käfer hört. In einem schallisolierten Raum an der Universität Tübingen haben die Wissenschaftler gemessen, welchen Einfluss der Untergrund auf die Geräusche hat, die beim Laufen der Insekten entstehen. Dazu wurden drei verschiedene Bodensubstrate - Buchenwald-, Wiesen- und Ackerboden - nachgebildet.

Insektenbeine auf mehrere Meter verräterisch "laut"

"Am lautesten sind die Laufgeräusche, wenn die Käfer über Laub gehen - ganz leise wird es, wenn sie über nackte Erde laufen", fasst Siemers die Ergebnisse zusammen. Außerdem nehme mit zunehmendem Lauftempo die Lautstärke zu. Simuliert wurden auch die Geräusche am befeuchteten Boden, bei dem das Laub nicht mehr knistert. Das Forscherteam hat zudem festgestellt, dass auch die Größe eines Insekts die Laufgeräusche beeinflusst. "Je größer das Tier, desto lauter sind die Geräusche, die es beim Laufen macht", lautet hier der wenig überraschende Zusammenhang. Dabei nimmt die Lautstärke bei größeren Insekten auf Laub stärker zu als auf Sand. "Geringfügig größere Insekten sind also auf Laub überproportional lauter. Ein Käfer, der über trockene Blätter krabbelt, kann trotz der Abschwächung der Geräusche mit zunehmender Entfernung noch acht Mal so weit gehört werden wie einer, der über trockenen Boden läuft."

"Der nächtliche Geräuschpegel hat natürlich auch Auswirkungen auf die Beutesuche", betont der Forscher. Untersuchungen in Madagaskar haben deutlich gezeigt, dass vor allem Grillen oder Zikaden mit ihrem "Gesang" viel Lärm erzeugen, der denFledermäusen die Wahrnehmung erschwert. "Durch die Hintergrundgeräusche können die Jäger die raschelnde Beute dort viel weniger gut wahrnehmen als in den gemäßigten Breiten", so Siemers. "Wir haben auch entdeckt, dass andere Hintergrundgeräusche wie etwa Lärm aus anderen Quellen die Beutesuche erschwert oder zumindest stark einschränkt", erklärt der Verhaltensökologe. "Die Tiere sind aufgrund der nach unten gerichteten Ohren in der Lage die Geräuschquellen räumlich zu trennen und können immer noch Beutetiere im Abstand von einem bis drei Meter Entfernung wahrnehmen", so Siemers. (pte/red)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)

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