Damit der Staat weiß, wo seine Schulen stehen

29. August 2008, 08:41
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Helfen mit mehr System: Internationale Großkonferenz in Ghana

Wien - In der Region Rumonge, in Burundi, gibt es öffentliche Schulen, von deren Existenz die staatlichen Behörden lange Zeit nichts wussten. Nach dem Bürgerkrieg im Land (1993-2004) wurden die Schulen mit Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) aufgebaut. Löblich. Nur hatten die westlichen Geber niemandem in der Hauptstadt Bujumbura Bescheid gegeben. Es ist ein Beispiel von vielen dafür, wie gut gemeinte Hilfsprojekte versanden, weil sie unkoordiniert stattfinden.

Wie Entwicklungshilfe wirksamer gestaltet werden kann, steht Anfang kommender Woche im Zentrum einer internationalen Konferenz in Akkra, Ghana. Das Treffen, an dem rund 100 Staaten teilnehmen, ist Ausdruck eines neuen Trends: In den entwicklungspolitischen Debatten spielt die Qualität der Hilfe, und nicht nur die Höhe, eine immer wichtigere Rolle.

Die Diskussionen mündeten 2005 in die "Pariser Erklärung" , einem internationalen Dokument, indem erstmals präzise festgelegt wird, wie EZA effizienter werden kann. Gefordert wird etwa, dass die Geberländer ihre Strategien nach den Vorstellungen der Entwicklungsländer richten. Gestärkt wird dabei der Staat: Hilfsleistungen sollen künftig primär über staatliche Stellen abgewickelt werden. Bis 2010 sollen 85 Prozent der Hilfsleistungen in den Budgets der Entwicklungsländer aufscheinen, lautet ein Ziel. Dass die Geberländer ihre Strategien untereinander besser absprechen, ein weiteres.

Jeder war überall

Was das bedeutet, kann derzeit kaum jemand so gut erklären, wie Walter Ehmeir. Er leitet das Büro der österreichischen Entwicklungshilfeagentur (ADA) in Uganda. Vereinfacht gesagt, verbrachte Ehmeir die vergangenen Monate damit, Ordnung zu schaffen. In Uganda leisten 14 Staaten Entwicklungshilfe. Hinzu kommen Weltbank, afrikanische Entwicklungsbank, EU-Kommission und zahlreiche UN-Organisationen.

"So gut wie jeder engagierte sich überall" , sagt Ehmeier. Es war daher keine Seltenheit, dass mehrere Staaten dasselbe Hilfsprojekt in Angriff nehmen. In einem mühevollen Diskussionsprozess wurde das System daher umgestaltet: Jeder Staat hat die Federführung auf einem Sektor, Österreich etwa bei Wasser, übernommen. Dafür ziehen die Länder ihre Hilfe aus anderen Sektoren ab oder anerkennen die führende Rolle eines anderen Gebers. Der Aufwand für die Umstellung hat die bürokratischen Kosten erhöht, ist das System aber etabliert, soll effizienter und einfacher laufen als bisher.

Der Austausch solcher Erfahrungen ist ein Ziel der Konferenz von Akkra, bei der Österreich von Hans Winkler, dem Staatssekretär im Außenamt, vertreten wird. Die Entwicklungsländer dürften vor allem darauf drängen, dass ihnen zugesagte Gelder pünktlich ausbezahlt werden, damit sie besser planen können. Österreich will unter anderem diskutieren, wie Hilfe unter politisch schwierigen Bedingungen -etwa in Palästina und Kosovo - am besten geleistet werden kann. (András Szigetvari/DER STANDARD, Pritnausgabe, 28.8.2008)

 

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