Kampf um zwei Stunden Aufmerksamkeit

27. August 2008, 17:49
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Parteitage sind vor allem TV-Ereignisse, ihr Erfolg misst sich in Nachrichtenzyklen

Denver - Ganz links hat CNN seinen Kobel. CBS News und MSNBC schließen an. Im rechten Eck stehen die Kameras von Fox News - die besten Plätze im Parkett des Pepsi-Centers gehören den großen amerikanische TV-Anstalten. Die Print-Journalisten sitzen auf den Rängen, die Blogger in einem Nebenraum, die Radiostationen irgendwo in den Katakomben des Basketball-Stadions. Die Medienhierarchie macht unmissverständlich klar: Das hier ist eine Fernsehveranstaltung, der Rest ist mehr oder minder irrelevant.

24 Stunden lang, sieben Tage in der Woche spielen die Networks ihre Nachrichtenrotation. Keine Sekunde vergeht ohne Berichte von der Convention. CNN-Anchor Wolf Blitzer und seine Kollegen sitzen stundenlang wie angepickt auf ihren Sesseln. Sie analysieren, interpretieren, spekulieren. Die Delegierten nehmen sich daneben beinahe wie Statisten aus, die nur dazu da sind, Fähnchen und Wahlplakate zu schwenken. Die meisten Redner wirken wie Pausenclowns, denen die große Parteitagsregie ihre ewiggleichen Zeilen in die Teleprompter spielt. Die Schlagzeile an diesem Abend: "Wir können uns keine vier weiteren Jahre Republikaner im Weißen Haus leisten." Der Satz fällt so oft, dass ihn jede Kamera ein Dutzend Mal drauf haben muss.

Von 24 auf zwei Stunden

Abgerechnet wird bei den TV-Stationen in "News Cycles" , in Zeitspannen, in denen eine Nachricht die Sender dominiert hat. In den 1990er-Jahren rechneten Wahlkampagnen noch mit 24-Stunden-Zyklen. "2004 hatten die News Cycles zwölf Stunden, heute vielleicht noch zwei Stunden" , sagt Karl Rove, der als Mastermind für George W. Bush zwei Präsidentschaftswahlkämpfe gewonnen hat. Spätestens dann beschäftige die Sender eine andere Nachricht.

Genau dafür haben die Republikaner eine Meile vom Pepsi-Center entfernt eine Art "war room" eingerichtet. Einige Dutzend Mitarbeiter werten dort jede Gemütsregung aus, die auf dem Parteitag gemacht wird. Dagegengehalten wird mit TV-Spots, Politikern und "Experten" , die in den Sendern platziert werden. "Jedes Mal, wenn wir die Nachrichten mit unserer Botschaft unterbrechen, ist das gut für uns" , sagt Matt McDonald von der McCain-Kampagne.

Barack Obama, wird spekuliert, habe sich wegen der kurzen Aufmerksamkeitsspanne so lange Zeit gelassen, seinen Vizepräsidentschaftskandidaten zu nominieren. Bei der republikanischen Convention kommende Woche allerdings wollen die Demokraten ihren Gegnern um nichts zurückstehen. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2008)

 

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