Täglich verliert Europa ein Dorf samt allen Nutzflächen

30. August 2008, 17:17
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Experte mahnt sorgsameren Umgang mit unseren Böden ein - immerhin steigt der Bedarf nach landwirtschaftlichen Produkten

Wien - Die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auf dem Planeten werden immer knapper, warnten Wissenschafter in der abgelaufenen Woche beim internationalen Kongress "Eurosoil 2008" in Wien. Organisator Winfried Blum vom Department für Wald- und Bodenwissenschaften der Boku Wien bemängelte den auch in Österreich praktizierten, allzu sorglosen Umgang mit den Böden.

Täglich werden in Österreich zwölf bis 15 Hektar Boden versiegelt (also bebaut) und damit für die landwirtschaftliche Nutzung quasi von der Landkarte radiert. In den Nachbarländern liegen die Verhältnisse nicht viel anders: In der Schweiz verschwinden täglich geschätzte acht bis zehn Hektar und in Deutschland 110 bis 120 Hektar unter Straßen, Häusern oder sonstigen Anlagen. Europaweit könne man davon ausgehen, dass flächenmäßig täglich ein landwirtschaftliches Dorf mit all seinen Böden von der Bildfläche verschwindet.

Immer mehr von immer weniger

Vollkommen konträr zu diesem Trend ist aber davon auszugehen, dass der Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen weiter stark steigen wird. So wächst die Weltbevölkerung und damit die Zahl der Esser derzeit jährlich um rund 85 Millionen pro Jahr. Dazu kommt, dass die Menschheit tendenziell immer mehr Fleisch auf dem Teller haben will, und auch das kostet wieder landwirtschaftliche Fläche. So bedarf es, abstrakt ausgedrückt, für die Bereitstellung von einem Kilogramm Huhn drei bis vier Kilo Getreide, für ein Kilo Schwein fünf bis sechs Kilo Getreide und für ein Kilo hochwertiges Rindfleisch bis zu zehn Kilo Getreide.

 

Auch wenn die globalen Trends in absehbarer Zeit kaum umzudrehen sein werden, so plädiert Blum wenigstens im eigenen Land mit einem sorgsameren Umgang mit den Böden. Ein wichtiger Ansatz wäre die Unterbindung einer weiteren Zersiedelung der Landschaft. So sollte besonders in dünn besiedelte Dörfern die Verdichtung nach innen gefördert werden, dass etwa bisher ungenutzte Areale in den Dörfern für neue Häuser oder Siedlungen genutzt werden. Nicht zuletzt durch Spekulationen wird das teilweise verhindert. (APA/red)

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    Altbekanntes, aber oft und gerne ignoriertes Faktum: Bei weitgehendem Verzicht auf Fleisch als Nahrungsmittel müssten deutlich weniger Pflanzen angebaut werden.

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