Austria Wien greift durch

27. August 2008, 14:47
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Austria verhängte über 11 Fans Hausverbot - Gleichzeitig Antrag an Bundesliga für Stadion-Verbote - Vorstand Kraetschmer: "Vor Chaoten sicher nicht in Knie gehen"

Wien - Die Verletzung von Rapid-Tormann Georg Koch durch einen aus dem Austria-Sektor geworfenen Böller am Sonntag im Wiener Fußball-Derby im Hanappi-Stadion hat erste Konsequenzen nach sich gezogen. Der FK Austria Wien verhängte für das UEFA-Cup-Spiel am Donnerstag (19.30 Uhr) gegen den georgischen Vizemeister WIT Tiflis über elf Anhänger ein Hausverbot und stellte gleichzeitig einen Antrag an die Bundesliga, für diese Personen Stadionverbote auszusprechen.

"Erst eine erste Zwischenbilanz"

"Das ist aber erst eine erste Zwischenbilanz. Die Auswertung geht weiter, wir sind noch nicht fertig", sagte Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer, nach dessen Angaben in den vergangenen Tagen TV-Bilder, Fotos von Presseleuten und der Video-Überwachung ausgewertet und intensive Gespräche zwischen dem Verein und Fan-Gruppen geführt worden waren. Der Hauptverdächtige, der den Knallkörper geworfen haben soll, befindet sich jedoch nicht unter den elf Aussortierten.

Die elf identifizierten Radaubrüder, denen je nach Delikt (Handgreiflichkeiten, Feuerwerkkörper usw.) Stadionverbote von sechs bis 24 Monaten drohen, "rekrutierten" sich allerdings nicht nur vom Rapid-Spiel, sondern auch von den Auswärtspartien in Graz und Kapfenberg. "Die Probleme ziehen sich wie ein Roter Faden durch die Saison, wir haben in jedem Auswärtsspiel Schwierigkeiten gehabt", erklärte Kraetschmer, laut dem die Elf sowohl teils polizeibekannte Leute als auch Mitläufer sind.

"So geht es nicht weiter"

Egal, ob bekannt oder nicht, ob schon langjähriges Mitglied eines Fan-Clubs oder erst kurz aufgenommen - Austria werde Leuten, die nur auf Gewalt aus seien, in Zukunft keine Plattform bieten. "So geht es nicht weiter, das Verhalten ist nicht tolerierbar. Es ist jetzt eine Phase erreicht, in der Signale gesetzt werden müssen und in der wir vor Chaoten sicher nicht in die Knie gehen", kündigte Kraetschmer einen harten Kurs gegen über Krawallmachern an.

Sein Vorstandskollege Thomas Parits meinte, dass man mit dem Begriff "Fans" vorsichtig umgehen müsse. "Nach der Pause, als unser Torhüter Safar im Tor vor der Tribüne mit Austrianern stand, ging das Bombardement ja weiter. Und daher ist nun der Zeitpunkt da, um zu reagieren. Wir müssen solche Leute aussortierten und unsere Spieler schützen", sagte der frühere Teamspieler, der 98 Prozent der Austria-Anhäger als "völlig in Ordnung" einstuft.

"Schock, Zorn und Traurigkeit"

Kraetschmer und auch Parits stellten in der Anhängerschaft schon eine Abkehr vom Rowdytum, einen Selbstreinigungsprozess fest. "Nach den Vorfällen haben Schock, Zorn und Traurigkeit Einzug gehalten", erzählte Kraetschmer, dem bewusst ist, dass eine 100-prozentige Kontrolle von mit Verboten belegten "Fans" an den Stadion-Eingängen nicht möglich sei, aber die Leute seien bekannt.

Zurück zu Koch: Die Austria richtete an den Rapid-Keeper, den Verein und Präsident Rudolf Edlinger eine offizielle Entschuldigung der Austria und schaltete in Tageszeitungen auch entsprechende Inserate. "Uns ist es ein Anliegen, mit Koch auch in Kontakt zu treten und uns bei ihm persönlich für die Gewalt zu entschuldigen, aber bisher war das noch nicht möglich", sagte Kraetschmer.(APA)

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