Uni Salzburg entwickelte neuen Simulator für wachsenden Flugverkehr

27. August 2008, 14:24
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Verdreifachung der Flugbewegungen bis 2025, Paradigmenwechsel erforderlich

Im Jahr 2007 fanden weltweit ungefähr 115.000 Flugbewegungen statt, für das Jahr 2025 wird die Anzahl auf rund 350.000 geschätzt. "Es findet also fast eine Verdreifachung statt." Deshalb müsse ein Paradigmenwechsel stattfinden, und die Universität habe mit dem Simulator NAVSIM die notwendigen Grundlagen sowie ein neues Produkt dafür geschaffen, erklärte Prof. Carl-Herbert Rokitansky am Mittwoch bei einem Pressegespräch in der Mozartstadt. Dieser Simulator sei in der Lage, den gesamten weltweiten Flugverkehr darzustellen, sagte Rokitansky.

Kommunikation optimieren

Das neue System soll die Datenkommunikation zwischen Piloten, Fluglotsen, Fluggesellschaften und Flughäfen optimieren. "In Zukunft wird die Bedeutung direkter Gespräche im Flugverkehr abnehmen und die digitale Übermittlung immer wichtiger werden." Die Kommunikation insgesamt werde bedeutender werden, dennoch werde der Mensch in letzter Konsequenz maßgeblich sein, unterstrich der Honorarprofessor.

Optimierungsvorschläge

Mit dem neuen System könne sowohl der gesamte Flugverkehr als auch die Kommunikation zwischen den Beteiligten simuliert und dadurch eine Reihe von Optimierungsvorschlägen präsentiert werden. So gelangten beispielsweise Anweisungen, die Höhe des Flugzeugs zu ändern, nicht sprachlich zum Piloten, sondern digital. "Hörfehler, die schon große Flugzeugkatastrophen verursacht haben, könnten dadurch fast ausgeschlossen werden,"sagte Rokitansky.

Flüge entlang von Großkreisen

Der Paradigmenwechsel sieht auch vor, dass Flüge nicht mehr entlang von Luftfahrtstraßen durchgeführt werden, sondern entlang von Großkreisen (kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten auf der Erdoberfläche) unter Berücksichtigung exakter Zeitvorgaben. Dadurch würden sich die Flugzeiten verkürzen, Lärm und Schadstoffe reduziert sowie die Landeanflüge optimiert.

Bis 2020 komplett umsetzen

NAVSIM sei bestens geeignet für Leistungsbewertung neuer digitaler Kommunikationssysteme, Computer-Unterstützung von Fluglotsen und Piloten sowie die Erstellung von Lärmkarten und weitere andere Anwendungsgebiete. Das neue Simulation-Konzept steuere den Piloten, den Airport, die Airline sowie den Controller. Rokitansky erwartet sich auch eine Verbesserung der Sicherheit um das Dreifache bis zum Jahr 2020, die Reduzierung schädlicher Umwelteinflüsse um zehn Prozent pro Flug sowie eine Verringerung der ATM (Air Traffic Management)-Kosten um 50 Prozent per Flug. Bereits 2013 sollen die entwickelten Konzepte schrittweise eingeführt und bis 2020 komplett umgesetzt werden, meinte der Wissenschafter. (APA)

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