Sechs Polizisten bei Bombenanschlag getötet

29. August 2008, 12:00
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Christen protestieren gegen Übergriffe radikaler Hindus - Tausende Bildungseinrichtungen sollen am Freitag geschlossen bleiben - Regierungsvertreter spricht von 16 Toten

Neu Delhi - Bei einem Bombenanschlag im zentralindischen Unionsstaat Chhattisgarh sind am Freitag mindestens sechs Polizisten getötet worden. Wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete, wurden bei der Explosion des am Straßenrand versteckten Sprengsatzes zudem mehrere Angehörige der paramilitärischen Bundespolizei verletzt. Ihr Fahrzeug sei vollkommen zerstört worden. Die Sicherheitskräfte machten maoistische Aufständische für den Anschlag verantwortlich.

Maoistische Rebellen sind in 13 der 35 indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien aktiv. Sie lehnen die parlamentarische Demokratie ab und kämpfen für ein kommunistisches Regime. Seit Jahresbeginn fielen der Gewalt landesweit bereits mehr als 400 Menschen zum Opfer. Chhattisgarh gehört zu den am schlimmsten betroffenen Regionen.

Christen protestieren gegen Übergriffe radikaler Hindus

Aus Protest gegen tödliche Übergriffe radikaler Hindus im ostindischen Bundesstaat Orissa sollen an diesem Freitag tausende christliche Bildungseinrichtungen in ganz Indien geschlossen bleiben. Zu der Protestaktion hat das Indische Kirchennetzwerk aufgerufen, dem die Katholische Bischofskonferenz, die Evangelische Gemeinschaft und der Nationale Kirchenrat Indiens angehören. Madhu Chandra vom Gesamtindischen Christlichen Rat (AICC) sagte am Donnerstag, von den rund 30.000 christlichen Bildungseinrichtungen habe eine Mehrheit zugesagt, sich an dem Protest zu beteiligen.

Das Kirchennetzwerk schrieb in einem Brief an christliche Organisationen, man hoffe, Eltern durch die Aktion auf die Vorgänge in Orissa aufmerksam machen zu können. "Auf dem Spiel steht nicht nur die Gewissensfreiheit einer Minderheitsgemeinschaft, sondern Indiens säkulare Demokratie." Der Nachrichtensender NDTV berichtete, es handle sich um den ersten Streik dieser Art in Indien seit 20 Jahren. AICC teilte mit, bei den Vorfällen handle es sich nicht um Zusammenstöße zwischen Hindus und Christen, sondern um Übergriffe auf "unschuldige Christen". Bei den gewaltsamen Übergriffen in Orissa wurden nach indischen Medienberichten mindestens elf Menschen getötet.

Radikale Hindus hatten am Montag christliche Kirchen und Kircheneinrichtungen überfallen und in Brand gesteckt. Auch in den Tagen darauf waren Unruhen und Brandstiftungen gemeldet worden. Ausgelöst wurden die Unruhen durch den Tod eines Anführers des radikalen Welthindurates, den nach Angaben der Polizei mutmaßliche Maoisten erschossen hatten und der eine Kampagne gegen Konvertierungen zum Christentum geleitet hatte. Hindu-Gruppen hatten Christen für die Tat verantwortlich gemacht.

Tausende auf der Flucht

Mindestens 1500 Menschen sind im Osten Indiens vor der seit Tagen anhaltenden Welle der Gewalt zwischen Hindus und Christen aus ihren Wohnungen geflohen. Es seien Notunterkünfte und eine Lebensmittelversorgung für die geflüchteten Menschen eingerichtet worden, sagte ein Vertreter der Behörden im indischen Bundesstaat Orissa am Donnerstag. Zeugen berichteten von tausenden weiteren Menschen, die sich aus Angst um ihr Leben in den Wäldern versteckten oder vor Polizeiwachen kampierten.

Nach Angaben der örtlichen Behörden kamen bei der Gewalt in den vergangenen fünf Tagen mindestens zehn Menschen ums Leben, ein Regierungsvertreter sprach von 16 Toten. Hunderte Häuser sowie christliche Gebetsräume seien niedergebrannt worden. Die Polizei erhielt demnach die Anweisung, auf alle Aufrührer zu schießen. Auch seien seit Sonntag 167 Menschen festgenommen worden.

Auslöser der Krawalle war der Mord an einem populären Hindu-Anführer am vergangenen Samstag. Die Polizei machte zunächst maoistische Rebellen für die Tat verantwortlich, Hindus aus der Region beschuldigten jedoch die dort lebenden Christen. In Indien kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Hindus und Christen. Hinduistische Hardliner beschuldigen christliche Missionare, arme Inder aus niedrigen Kasten mit der Aussicht auf Bildung und medizinische Versorgung zum Religionswechsel zu bewegen. Rund zwei Prozent der 1,1 Milliarden Inder sind Christen. (APA/dpa)

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