Riesenradplatz: Mehrheit für Ausgleich

27. August 2008, 13:37
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Gläubiger des Generalbauunternehmers einigten sich auf 40-Prozent-Quote

Wien - Thomas Wasshuber ist mäßig begeistert. „Wir haben gehofft, dass die Gläubiger dem Ausgleich nicht zustimmen. Damit hätte man den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen können", sagt der Geschäftsführer der Baufirma Bruckschwaiger. „Es arbeiteten nämlich verdächtig viele Konsulenten am Projekt mit, das müsste man sich schon noch genauer anschauen."

Drei Millionen Euro sollte Wasshubers Firma für ihre Arbeiten am neuen Riesenradplatz laut Vertrag bekommen - nach 1,4 Millionen war aber Schluss. „Das hat uns natürlich wehgetan. Aber wir werden's überleben", sagt Wasshuber.

Kleinere Unternehmen, die an der Errichtung des einstigen Vorzeigeprojekts von Vizebürgermeisterin Grete Laska (SP) mitarbeiteten, steckten den Umstand, dass der Generalbauunternehmer Explore 5D in die Zahlungsfähigkeit schlitterte, weniger leicht weg. Am Mittwoch kam ein Ausgleich zustande: Die 121 Gläubiger der insolventen Explore 5D akzeptieren eine 40-Prozent-Quote. Ausgezahlt werden soll das Geld bis Dezember diesen Jahres. Die Annahme des Ausgleichs erfolgte mehrheitlich. Woher die dafür notwendigen sieben Millionen kommen sollen, ist aber noch unklar. Das Geld müsse „aus dem Bereich der Auftraggeber" kommen, sagt der Kreditschutzverband.

Kompliziertes Firmengeflecht

Dieser „Bereich" ist allerdings ein ziemlich weites Feld. Für das Projekt hat die Prater Service GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Wien, die Riesenradplatz-Errichtungsgesellschaft gegründet. Die Bauaufträge vergab die Volksbanken-Tochter Immoconsult über die Explore 5D. Für das Projekt wurden 32 Millionen Euro veranschlagt, 15 davon sollte die Stadt Wien lockermachen. Wobei Laska Ende Juni bekanntgab, dass von den 15 noch fast acht Millionen Euro im Topf seien.

Für Sabine Gretner, Planungssprecherin der Wiener Grünen, ist klar, wer schuld an der Prater-Pleite ist: „Es geht aus dem Ausgleichsbericht hervor, dass Vizebürgermeisterin Laska frühzeitig über die Verzögerungen und Mehrkosten informiert war. Die Stadt hat Explore 5D absichtlich in Konkurs geschickt, um nicht mehr 100 Prozent, sondern im Rahmen des Ausgleichs nur mehr 40 Prozent der Kosten tragen zu müssen", sagt die Oppositionspolitikerin.

Die Mehrkosten seien zum Großteil dadurch entstanden, dass Entscheidungen seitens der Riesenradplatz-Errichtungs-GmbH viel zu spät getroffen worden seien und Extrawünsche während der ganzen Bauphase den Baufortschritt erschwert und verzögert hätten. (Martina Stemmer, Der Standard, Print-Ausgabe, 28.08.2008)

 

  • "Einstimmig war das auf keinen Fall", berichtete KSV-Experte Hans-Georg Kantner.
    standard/gedlicka

    "Einstimmig war das auf keinen Fall", berichtete KSV-Experte Hans-Georg Kantner.

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