Sonniger Empfang mit erdiger Hilfe

29. August 2008, 17:00
posten

Solarenergie und Erdwärme in Tiroler Hotels und Hütten. Der Alpenverein kennzeichnet seine ökologisch geführten Hütten durch ein Gütesiegel

Produkten aus kontrolliert biologischem Anbau an einen naturbelassenen Moorsee serviert wird, können sich's eh schon denken: Das Haus Florian ist ein Biohotel. Am Gieringer Weiher in Reith bei Kitzbühel vor herrlicher Kulisse darüber nachzudenken, was denn mit der Bezeichnung „Öko-Hotel" gemeint sein könnte, ist zwar anregend, aber nicht ausreichend. Da bedarf es schon einer Erklärung.

Bereits seit dem Jahr 2002 bezieht das Hotel nur mehr ökologisch produzierten Strom. Mit einem Mix von Energie aus Windkraft, Solaranlagen, Biodiesel und Wasserkraft kann die Familie Pointner zu Recht vollmundig erklären: Atomstrom ist da keiner dabei. Anlieferungen der Milch in Großgebinden, die Verwendung von Mehrwegverpackungen sowie der Einsatz von biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln ließen das Gesamtkonzept so glaubwürdig erscheinen, dass es schon 2003 mit dem Europäischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. In Österreich war dieser Status damals noch konkurrenzlos, in ganz Europa gab es erst zwei andere Häuser, die das EU-Eco-Label trugen.

Touristische Betriebe nach ökologischen Kriterien - also nicht nur unter der Verwendung von Bio-Produkten - zu führen, ist noch immer Pionierarbeit. Die Einzelfälle scheinen sich aber in Tirol zu häufen. Gilt es das erste Hotel in Österreich zu benennen, das bereits zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie heizt,muss das Hotel Crystal in Obergurgl erwähnt werden. Die 120 Betten in über 1.900 Meter Seehöhe derart zu versorgen, ist keine Selbstverständlichkeit. Wirtschaftlich sinnvoll wird die Investition in eine 300 m² große Solaranlage und die Wärmepumpe aber erst ab dieser Größe.

Gerade Betriebe mit einem eigenen Wellness-Bereich profitieren in weiterer Folge besonders von dieser Anschaffung. Die 67 Erdwärmesonden im Crystal sind freilich so dimensioniert, dass der hohe Energiebedarf von drei Pools gedeckt ist. Im Hotel Vier Jahreszeiten in Maurach am Achensee reicht dafür auch schlicht eine Solaranlage. Dass die Sonne hier mit bis zu hundert Grad in der Sauna „scheint", ist nur ein beruhigender Aspekt der Einsatzmöglichkeiten.

Von der Sunn - aus der Erd

Besonders interessant aber wird's in Tirol überall dort,wo touristische Betriebe in ohnehin fragiler Umgebung ihre Dienste anbieten. In Höhenlagen über 2.000 Meter ist das oft der Fall. Wenn dann eine Skihütte wie jene am Masner in Serfaus zu Stoßzeiten 2.000 Menschen zu versorgen hat, ist es beruhigend zu wissen, dass zumindest die Warmwasserversorgung bereits über eine Solaranlage gespeist werden kann.

Noch tiefgreifender waren die Veränderungen allerdings für das Bergrestaurant Sunnalm im Pitztal. Wenn man auf 2.300 Meter ein Passivenergiehaus errichtet, darf davon ausgegangen werden, dass es sich um das höchstgelegene im gesamten Alpenraum handelt. Hier heroben wird gänzlich auf fossile Brennstoffe verzichtet, Tiefenbohrungen bis in 120 Meter erlauben es selbst in dieser Lage, die Erdwärme zu nutzen. Der traditiobisserl Glas darf schon sein) erlebt dabei in Tirol gerade eine Renaissance - auch wenn sich die Technik dahinter freilich weiterentwickelt hat. Das kommt auch den vielen einfacheren Hütten zugute.

Der Alpenverein etwa kennzeichnet seine ökologisch geführten Hütten nun durch ein einheitliches Gütesiegel, Energiesparmaßnahmen und Abfallvermeidung sind eine Mindestkriterium dafür, die zunehmende Errichtung von Kläranlagen ist bereits die Kür. Von rund 190 Betrieben tragen bereits 53 das Siegel, mehr als die Hälfte davon kommt aus Tirol.

Wie das im Idealfall funktionieren kann, zeigt die Olpererhütte im Zillertal. Die nicht ganz CO2-neutral per Hubschrauber angelieferte "Hülle" - ein gut isolierter Rahmenbau aus Fichtenholz - wird mit einer Fotovoltaikanlage und mit Rapsöl warmgehalten. Für die zurückhaltende optische Umsetzung wurde bereits der "best architects"-Preis 2009 verliehen. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/22./23.8.2008)

Informationen:
www.tirol.at

  • Trotz Biobutterbrot auf dem Gieringer Weiher wird schnell klar: Ökologisch geführte Tourismusbetriebe definieren sich heute auch über den Einsatz von "sauberer" Energie.
    foto: tirolimages/albin niederstrasser

    Trotz Biobutterbrot auf dem Gieringer Weiher wird schnell klar: Ökologisch geführte Tourismusbetriebe definieren sich heute auch über den Einsatz von "sauberer" Energie.

Share if you care.