Toyota bremst Verkaufsprognose ein

28. August 2008, 18:48
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Der weltgrößte Autobauer setzte mit dem Zurückschrauben seiner Verkaufsprognosen ein negatives Signal für den weltweiten Markt

Tokio - Der weltweit führende Autohersteller Toyota hat gestern seine Absatzprognose für 2009 um fast sieben Prozent gesenkt. Damit würde Toyota nicht - wie bisher geplant - als erster Hersteller die Schallmauer von zehn Millionen Kraftwagen durchbrechen. Toyota rechnet nun nur noch damit, dass der Verkauf um 200.000 auf 9,7 Millionen statt auf 10,4 Millionen Fahrzeuge steigen wird. Allein für Nordamerika senkte der Konzern seine Prognose von drei auf 2,7 Millionen Fahrzeuge.

Abschwung in den USA

Toyotas Revision ist ein negatives Signal für die Branche. Denn Japans Primus, die Benchmark der globalen Autoindustrie, hat sich bis kürzlich noch in Zweckoptimismus geübt und gehofft, dass sich der nordamerikanische Markt in der ersten Hälfte 2009 erholen würde. Doch nun gestand Toyota-Chef Katsuaki Watanabe, dass sich der Konzern verkalkuliert hat. Zwar seien einige Materialkosten und der Ölpreis zuletzt wieder gesunken, so Watanabe. "Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Abschwung stärker als erwartet." Die Volkswirtschaften der USA, Europa und Japans schrumpften. "Und es gibt auch Sorgen über China", so der Konzernchef.

Eine Abkühlung im ostasiatischen Wirtschaftswunderland würde den Herstellern weltweit einen weiteren schweren Schlag versetzen. Denn mit rasant steigendem Autoabsatz in China und den anderen boomenden Schwellenländer Brasilien, Russland und Indien konnten sie die Schwäche der entwickelten Märkte bislang ausgleichen. Doch nun warnen immer mehr Analysten, dass Chinas nacholympisch auf unter zehn Prozent abflauen könnte. Ab acht Prozent beginnt in China bereits die Krisenangst.

Toyota rechnet damit, dass der Konzernabsatz in Europa nach einem leichten Rückgang im laufenden Jahr um 50.000 auf 1,3 Millionen Fahrzeuge steigen wird. Japan und die USA sollen trotz starker Modelloffensiven bei 2,2 und 2,7 Millionen Autos stagnieren. Stärkster Wachstumsmarkt soll Asien mit einem plus von 100.000 auf 1,75 Millionen Kraftwagen bleiben. Im Rest der Welt rechnet Toyota mit einem leichten Plus auf 1,7 Millionen Verkäufe.

Einbruch in Nordamerika

In seinem Hauptmarkt Nordamerika hat der Einbruch des Marktes für durstige Pick-up-Trucks den Konzern bereits zu einer massiven Reorganisation seiner Produktion gezwungen. So wird die Produktion der Autoriesen in Texas konzentriert, die Produktion von gut laufenden, sparsamen Kompaktautos erhöht und lokale Fertigung vom Hybridmodell Prius in Mississippi begonnen. Doch Watanabe sieht die Reorganisation nur als Zwischenschritt für eine weitere Expansion. Nordamerika werde mittel- und langfristig ein Wachstumsmarkt bleiben, sagte Watanabe. "Es ist wohl richtig, dass der Markt schrumpft, aber wir müssen uns auf künftiges Wachstum vorbereiten."

Für seinen eigenen Konzern bleibt Watanabe trotz der globalen Krise und Verlusten der US-Hersteller bei dem ehrgeizigen Ziel, mittelfristig eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent einzufahren. "Es ist ein ambitioniertes Ziel", gestand Watanabe.

Erreichen will er es mit neuen Kostensenkungsprogrammen und einem massiven Angriff mit Hybrid- und Elektroautos. So soll der Verkaufsstart von Plug-in-Hybridautos, deren Batterien nicht nur über den Motor, sondern auch über die Steckdose aufgeladen werden, auf 2009 vorgezogen werden. Anfang der kommenden soll der jährliche Hybridabsatz auf über eine Million Autos steigen, ab 2020 alle Toyotas zumindest mit einem zusätzlichen Elektromotor dahinrollen. Außerdem kündete Watanabe an, in den Anfangsjahren des nächsten Jahrzehnts reine Elektroautos für den Stadtverkehr auf die Straße zu bringen. "Ohne Fokus auf Maßnahmen für eine kohlendioxidemissionsarme Gesellschaft haben Motorwagen keine Zukunft", sagte Watanabe. (Martin Koelling aus Tokio, DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2008)

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    Toyota-Chef Katsuaki Watanabe wird sein Ziel, nächstes Jahr zehn Millionen Autos zu verkaufen, verfehlen.

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