U-Bahn-Fahrt zum Nulltarif

27. August 2008, 10:32
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Gratis, günstiger oder zum halben Preis? Baustopp für Autobahnen? derStandard.at warf einen Blick auf die grünen Vorschläge zur Reform der Öffis

Heute präsentieren die Grünen ihr Wahlprogramm. Ein Hauptpunkt daraus: Die Forderung nach einem "völligen Neubeginn in der Verkehrspolitik". Vor allem im Bereich der Öffis wollen die Grünen radikale Schritte setzen. Diese sollen für alle deutlich günstiger werden - oder sogar gratis. Wie diese Reformen finanziert werden sollen und wer genau wofür nichts mehr zahlen soll, wollten wir genauer wissen.

derStandard.at fragte bei Eva Glawischnig nach, wie die Öffi-Reform tatsächlich funktionieren soll.

1. Maut

Die LKW-Maut soll auf allen Straßen statt wie bisher nur auf Autobahnen eingehoben werden. Das, so Glawischnig, bringe 420 Millionen Euro pro Jahr an Mehreinnahmen, die für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs verwendet werden sollen.

2. Öffi-Ausbau

Der Öffentlichen Nah- und Regionalverkehr soll mit 200 Millionen Euro jährlich ausgebaut werden. Das grüne Motto dazu: "Klotzen statt Kleckern". Was das bedeutet: Am Vorbild Schweiz soll eine Mindestversorgung aller Gemeinden mit Öffentlichem Verkehr, gestaffelt nach Ortsgröße, gesetzlich festgelegt werden. Die Grünen wollen, das jeder Ort in Österreich mindestens viermal täglich durch Bus, Bahn oder Sammeltaxi erreichbar ist. Auf Hauptverbindungen fordern die Grünen den Ein-Stundentakt, im Umkreis um die Hauptstädte einen Halbstundentakt und optimal zeitlich abgestimmte Umstiegsmöglichkeiten.

3. Freifahrt

Einer der Vorschläge, der besonders emotional diskutiert wurde: SchülerInnen und Lehrlinge sollen alle Öffis österreichweit gänzlich gratis benützen können, für StudentInnen soll die Studienfreifahrt von Wohnort zur Uni und zurück wieder eingeführt werden. Konkret sollen die Selbstbehalte für SchülerInnen und Lehrlinge abgeschafft werden. Die Fahrt zur Klavierstunde oder zum Fußballtraining wäre dann ebenso gratis, wie bisher schon die Fahrt zur Schule. Das, so Glawischnig, entlastet junge Menschen und Familien. "Das lästige Kaufen der zusätzlichen Monatsmarke für SchülerInnen etwa in Wien fällt weg".

4. Halber Preis

Die wohl radikalste Forderung: Alle Öffis zum halben Preis für Alle. Eine für alle Öffis gültige Halbpreiskarte, also quasi die ÖBB-Vorteilscard, die auch für Bus, Bahn, U-Bahn, Straßenbahn in ganz Österreich gültig ist, soll eingeführt werden. Diese "erweiterte Halbpreiskarte" darf nicht mehr als die jetzige ÖBB-Vorteilscard kosten, sollte sogar etwas günstiger sein. "Um für PendlerInnen einen besonderen Anreiz zu schaffen, soll die Halbpreiskarte für sie im ersten Jahr gratis sein", so die Forderung Glawischnigs.

Auch eine österreichweit für alle Öffis gültige Jahresnetzkarte ist, insbesondere für VielfahrerInnen, sinnvoll. Das wollen zwar auch SPÖ und ÖVP - Aus Sicht der Grünen ist der derzeit angekündigte Preis von knapp 1.500 Euro jedoch zu hoch. Die Österreich-Card soll maximal 1.000 Euro kosten oder sozial gestaffelt angeboten werden.

5. Baustopp

Während die Öffis auf grüne Unterstützung bauen dürfen, wird der Straßenbau genauer beäugt. Sinnlose Autobahn- und Schnellstraßen-Pläne sollen zurück in die Schublade, so der Wunsch Glawischnigs. "Dazu zählt die Lobau-Autobahn ebenso wie der Linzer Westring, die nördliche Hälfte der A5 oder die Marchfeldschnellstraße". Stattdessen sollen endlich die Bahnverbindungen in den Osten ausgebaut werden. "Es kann nicht sein, dass etwa die Eisenbahn Wien - Marchegg - Bratislava bis heute einspurig ist und immer noch mit Dieselloks betrieben wird. 20 Jahre nach der Ostöffnung ist ein zweispuriger Ausbau und eine Elektrifizierung mehr als hoch an der Zeit". Ein Moratorium beim höherrangigen Straßenbau würde nach grüner Rechnung etwa 400 bis 500 Millionen. Euro im Jahr an Einsparungen bringen.

Gemeinsam mit den Zusatz-Einnahmen aus der flächendeckenden LKW-Maut bringe das jährliche Finanzmittel von fast einer Milliarde Euro. Und die soll dann direkt ins grüne Verkehrsprogramm investiert werden. "Brauchts nur noch ein Umdenken der Beton-Fraktionen bei SPÖ und ÖVP", so Glawischnig. "Vielleicht wär's eine gute Idee, wenn die ihr Auto mal für eine Woche stehen lassen und mit Bahn und Bus zu ihren Wahlkampfauftritten nach Niederösterreich oder ins Burgenland oder sonst wo aufs weite Land fahren. Das ist nämlich oft gar nicht so lustig. Vielleicht hilft das ja beim Umdenken". (Anita Zielina, derStandard.at, 27.8.2008)

  • Die Grünen wollen die Öffis attraktiver machen - mit Ausbau, höheren Taktungen und geförderten Jahreskarten.
    foto: standard/cremer

    Die Grünen wollen die Öffis attraktiver machen - mit Ausbau, höheren Taktungen und geförderten Jahreskarten.

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