Missverständnis in Schwarz-Weiß

26. August 2008, 19:31
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Auch wenn Fellini schwarzweiß filmte, trugen Anita Ekberg und Marcello Mastroianni Farbe

Wolfgang Reichl gab sich gnadenlos: Wer ihm Montagabend zum fünften Geburtstag seiner Bar in der Wiener Urania gratulieren wollte und anderes als Schwarz oder Weiß trug, wurde aufgefordert, "alles auszuziehen, was die falschen Farben hat". Schließlich, betonte Reichl, sei der Dresscode unübersehbar in der Einladung zum Fest gestanden: Das jährliche kombinierte Geburtstags- und Sommerfest des In-Lokals stehe heuer nämlich unter dem Motto "La dolce Vita" - und Federico Fellinis Film sei schließlich auch schwarz-weiß.

Einem Adabei-Fest ein Thema zu geben macht Sinn: Reichls Bar lebt auch davon, in den Gesellschaftsrubriken als Treffpunkt von Hip-und-Schön aufzuscheinen. Und "La dolce Vita" gibt auch dem tumbsten Promi-Afterschreiber die Chance, aus dem x-ten Zusammentreffen der immergleichen heimischen ViP-Darsteller (u. a. Doris Golpashin, Martina Kaiser, Johanna Setzer) zumindest ansatzweise mehr als eine reine Namensliste zu machen.

Andererseits war das (leider nur verbale) Pochen auf den Dresscode ein Missverständnis: Auch wenn Fellini schwarzweiß filmte, trugen Anita Ekberg und Marcello Mastroianni Farbe - schließlich war das süße Leben in Rom schon 1960 bunter und vielfältiger, als es sich heute in Wien selbst darstellt. (Thomas Rottenberg, Der Standard Print-Ausgabe, 27.08.2008)

 

 

  • Süßes Leben, farblos: Urania-Gastronom Reichl
    martin tischler

    Süßes Leben, farblos: Urania-Gastronom Reichl

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