Der Drang, im Westen zu landen

26. August 2008, 19:18
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Die russische Airline S7 spitzt bei der AUA auf die Landerechte. Preismindernd beim Verkauf der AUA dürften die hohen Schulden sein, es sei denn, die Banken lassen sie nach

Moskau/Wien/Mailand - Nach der Lufthansa hat auch die russische S7 Interesse an der AUA angemeldet. "Wir prüfen, ob wir an dem Bieterprozess teilnehmen können", sagte die Sprecherin der früheren Airline Sibir, Irina Kolesnikowa, zum Standard. "Für uns wäre dies interessant, weil wir auf den internationalen Märkten expandieren wollen und die AUA als Instrument für den Marktzugang sehen."

Ein russischer Luftfahrtexperte sagte, wirtschaftlich gesehen wäre die Lufthansa der beste Partner für die AUA, aber da es sich um eine politische Entscheidung handle, hätte auch S7 Chancen. Wien wäre für S7 auch deshalb wichtig, weil sich die Airline bereits seit Jahren erfolglos um Landerechte in Paris bemühe. Allerdings könnten sich die verschlechternden internationalen Beziehungen Russlands zum Westen negativ auf die Chancen der S7 auswirken.

Bewerber im Datenraum

Die S 7 ist die private Nachfolgerin der staatlichen Sibir, der größten russischen Inlandsfluggesellschaft und der zweitgrößten Airline des Landes. Im Vorjahr wurden 5,7 Mio. Passagiere befördert, die AUA kam auf knapp elf Mio. 70 Flugzeuge umfasst derzeit die Flotte der S7 (AUA: 99), weitere 50 sind bestellt. Bei einem Umsatz von zuletzt 863 Mio. Euro wurde ein Gewinn 70,6 Mio. Euro erzielt. Drehkreuze der S7 sind Moskau, Nowosibirsk und Irkutsk.

In den nächsten zwei Wochen werden die von der ÖIAG ausgesuchten Bewerber in den Datenraum der AUA gelassen und können sich ein Bild über die Gesellschaft machen. Erst dann, erwarten Experten, werden die ersten Preisvorstellungen offenbart.

Der springende Punkt bei der Auswahl der Partner werden die 1,2 Mrd. Euro langfristige Schulden der AUA sein. Einige Interessenten werden wohl darauf drängen, dass die Banken zu einem Schuldennachlass bereit sind. Wenn nicht, werde das wohl den Preis erheblich drücken.

Alitalia

Zehn weiße Ritter haben sich bereiterklärt, die angeschlagene Alitalia mittels einer Finanzspritze von einer Mrd. Euro zu retten, sofern der Sanierungsplan umgesetzt wird. Roberto Colaninno, Ex-Telecom Italia Großaktionär und Präsident der Motorradfirma Piaggio will 200 Mio. Euro einbringen und beansprucht dafür das Präsidentenamt bei Alitalia. Chef der "neuen Alitalia" soll sein langjähriger Vize werden, Rocco Sabelli. (ved, cr, tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2008)

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