Wenig Erfreuliches für den US-Handel

26. August 2008, 19:13
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Amerikaner sparen bei den Ausgaben für den Schulbeginn - Um Benzin zu sparen, wird außerdem mehr online gekauft

Kendall Morris ist zufrieden mit ihrer alljährlichen Shoppingtour vor Kindergarten- und Schulbeginn. Socken, Unterwäsche, die in den USA traditionellen Lunchboxes und diverse Schul-Utensilien für ihre drei Kinder hat sie erstanden - und das für nur 200 Dollar. "Und fünf Polo-Hemden für meine zwei Buben, weil sie so billig waren."

Die Einkäufe hat sie heuer bei Wal-Mart, dem größten Einzelhandelsriesen der Welt, erledigt. "Dort kaufe ich sonst nie ein" , erklärt sie, "aber ich wollte Geld sparen." Morris liegt dank Wirtschaftsflaute und hoher Inflation im US-Trend. Viele in der größten Volkswirtschaft der Welt planen heuer, weniger Geld zum Schulbeginn auszugeben.

Für den Einzelhandel bedeutet das potenziell eine schlechte Generalprobe fürs Jahresende. Denn die sogenannte "Back to school" -Einkaufssaison, die grob von Mitte Juli bis Anfang September läuft, ist für den US-Handel die zweitgrößte des Jahres hinter dem rund 475 Milliarden schweren Weihnachts- und Jahresendegeschäft.

Traditionell kaufen Amerikaner zum Schulbeginn nicht nur Hefte, Bleistifte, Rucksäcke und Computer, sondern auch Unterhaltungselektronik und neue Mode für die Kindergarten-, Schul- und Uni-Besucher in der Familie. Und vielleicht auch noch ein iPhone, um den Schuleinstieg zu versüßen.

Bestenfalls Stagnation

Glaubt man Experten, wird das Schulgeschäft im Vergleich zu 2007 heuer aber bestenfalls unverändert bleiben. Die Juli-Umsätze bei vielen Handelsketten waren wegen des Endes der Steuerrückerstattungen der US-Regierung bereits enttäuschend.
Die Handelsvereinigung International Council of Shopping Centers sagt einen Schulhandelszuwachs von nur einem Prozent vorher - das laut ihren Daten geringste Wachstum seit 2001.

Die Einzelhandelsvertretung National Retail Federation, die Konsumenten nach ihren Einkaufsplänen befragt, erwartet bei Schülern neun Prozent Zuwachs auf 20,1 Mrd. Dollar, aber einen siebenprozentigen Rückgang bei Studenten auf 31,26 Mrd. Dollar. Insgesamt würde das ein kaum verändertes Gesamtgeschäft von 51,36 Mrd. Dollar ergeben. Pessimisten halten solche Erwartungen für zu hoch und prophezeien Verkaufsrückgänge von bis zu vier Prozent.
Burt Flickinger von der Marktforschungs- und Beratungsfirma Strategic Resource Group sagte kürzlich das schlechteste "back to school" -Ergebnis seit fünf Jahren vorher. Kein Wunder, sagen doch viele Eltern, sie wollen heuer kürzertreten.

Laut einer Citigroup-Umfrage wollen 41 Prozent der Eltern ihr Einkaufsbudget zum Schulbeginn unter dem des Vorjahres halten. Und 75 Prozent planten, weniger als 400 Dollar auszugeben. Letztes Jahr sagten das nur 45 Prozent.

Diskonter und Online-Shopping

Umfragen zeigen auch, dass heuer mehr Amerikaner als sonst so wie Morris auf Diskonter setzen und mehr online shoppen, um nicht teures Benzin für die Fahrt zum Kaufhaus zu verbrauchen.
Analysten glauben, dass Konsumenten bei Schulausgaben hauptsächlich bei Elektronik und Mode sparen. So sprach etwa der bei Studenten beliebte Modehändler Abercrombie & Fitch kürzlich von schwachen Verkäufen zu Beginn des "back to school" -Geschäfts.

Der Handel hat auf all das mit einer Lawine von "back to school" -Sonderangeboten reagiert. Mit Sprüchen oder coolen Logos bedruckte T-Shirts sind laut Experten heuer ein Renner bei Teenagern. Wer beim Virgin Megastore im Manhattaner Times Square zwei davon kauft, bekommt das dritte für nur zehn Dollar. In den Regalen gibt es hier unter anderem T-Shirts für Nirvana-Fans und mit dem Wahlaufruf "Barack the Vote" . All das wird aber eine Einzelhandelsrezession nicht mehr verhindern, warnt Flickinger. Er sieht die USA bereits in den ersten 200 Tagen einer solchen und glaubt, sie könnte 500 bis 1000 Tage dauern. Frohe Weihnachten würde es da für den US-Handel freilich nicht geben. (Georg Szalai aus New York, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2008)

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