"Zuletzt sind fast nur Frauen aus Funktionen ausgeschieden"

28. August 2008, 16:07
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Die Kritik an familiären Verstrickungen bei den NÖ-Grünen sei berechtigt, sagte Brigid Weinzinger im STANDARD-Interview

Standard: Sie haben mir Ihre neue Visitenkarte gegeben. In Zukunft bieten Sie "Ausbildung und Verhaltenberatung für Hund, Katz, Pferd und Mensch" an: Eine Reaktion auf gewisse zwischenmenschliche Erfahrungen in der Politik?

Weinzinger: (lacht) Nein, das ist vielmehr das Standbein, das ich nebenbei schon länger hatte. In Zukunft möchte ich in diesem Bereich auch größere Projekte angehen, etwa Consulting zu Fragen der Tierhaltung und Tierschutzfragen.

Standard: Ist der Abschied aus der Politik für Sie bitter?

Weinzinger: Nein, gar nicht, denn auch in der Vergangenheit habe ich mein Arbeitsfeld immer wieder gewechselt. Ich habe jetzt zehn Jahre als Abgeordnete hinter mir, mit dem Einzug in den Landtag in St. Pölten, mit der Aufbruchs- und Aufbauphase dort, dann dem Wechsel in den Nationalrat... Ich glaube, mir ist recht viel gelungen.

Standard: Und jetzt wurden Sie als eine der älteren grünen Politikergeneration von Jüngeren abgelöst?

Weinzinger: Nun, da müssten vermutlich andere gehen und nicht schon ich. Überhaupt fällt mir auf, dass im Zuge der derzeit vieldiskutierten grünen Erneuerungswelle zuletzt fast nur Frauen aus Funktionen ausgeschieden sind - von mir über Sabine Mandak und Theresia Haidlmayer zu Barbara Zwerschitz. Wir müssen uns anschauen, ob bei den Grünen trotz aller Gleichstellung Frauen informell immer noch benachteiligt sind.

Standard: Derzeit wird in Niederösterreich die Kritik an den familiären Verflechtungen an der Parteispitze immer lauter. Was sagen Sie?

Weinzinger: Nun ja, die Optik ist inzwischen wirklich etwas ungünstig. Doch natürlich kann man einer Frau von einer politischen Kandidatur nicht abraten, nur weil ihr Mann auch schon in der Politik ist: Sippenhaftung darf es keine geben. Wenn es in der Landespartei und darüber hinaus Kritik gibt, so sollte diese unter Einbeziehung der Kritiker aufgearbeitet werden. Das wäre nur zum Nutzen aller Beteiligten. (Irene Brickner/DER STANDARD Printausgabe, 27. August 2008)

Zur Person: Die 46-jährige Brigid Weinzinger ist im Quellenberuf Dolmetscherin und hat ein Post-Graduate-Studium in Anthrozoologie absolviert.

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