Russlands UN-Botschafter in New York

26. August 2008, 19:26
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Witali Tschurkin ist Moskaus Meister der Ironie im Sicherheitsrat

Witali Tschurkin muss jetzt den harten Mann aus dem Osten spielen. Russlands UN-Botschafter in New York, der - sowjetischer Mode der 80er-Jahre folgend - gern helle Anzüge und große Technokratenbrille trägt, wird das politische Gewitter durchstehen, das nach der Anerkennung der beiden georgischen Separatistenprovinzen über Russland hereinbricht. Dass er das kann, hat der 56-jährige Ausnahmediplomat schon in den zwei Wochen, die seit dem Kaukasus-Krieg vergangen sind, im Sicherheitsrat bewiesen. Die Ironie ist seine liebste Verteidigung.

"Regimewechsel? Ist das nicht ein amerikanischer Ausdruck?" , schoss Tschurkin zurück, als sein US-Kollege Zalmay Khalilzad während einer Sitzung des Sicherheitsrats zur Lage im Kaukasus den russischen Außenminister zitierte, der erklärtermaßen Georgiens Staatschef Michail Saakaschwili aus dem Amt haben will. Auch gegen die massive Kritik des Westens an den Militäroperationen in Georgien, außerhalb der beiden abtrünnigen Provinzen, hatte Tschurkin gleich eine Antwort parat: Hat die Nato 1999 nicht auch Ziele in Belgrad bombardiert, obwohl sie doch angeblich den Kosovo befreien wollte?

Witali Iwanowitsch Tschurkin, 1952 in Moskau geboren, hat alle großen Weichenstellungen erlebt und zum Teil selbst mitgestaltet, die in den vergangenen 20 Jahren das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen, der immer weiter nach Osten wuchs, definiert haben: die Abrüstungsgespräche zur Zeit der Sowjetunion, Moskaus Rückzug aus den unabhängig gewordenen Sowjetrepubliken, die Balkankriege und schließlich den Kosovo-Konflikt.

1994, auf einem Höhepunkt des Kriegs in Jugoslawien, wurde Tschurkin auch erstmals bekannter in der Öffentlichkeit. Als Sondergesandter des damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin in Jugoslawien unterstützte Tschurkin den Vance-Owen-Plan zur Aufteilung Bosniens und überredete den bosnischen Serbenführer Karadžić zum Abzug schwerer Waffen. Der damals 42-Jährige war bereits einer der Vizeaußenminister in der russischen Regierung.

Aufgeschlossen, gewandt gegenüber den Medien, deren Kontakt er suchte, war Tschurkin, ein Karrierediplomat aus der alten sowjetischen Schmiede, als Sprecher des Außenministeriums in den Wendejahren 1990 bis 1991 aufgestiegen. Tschurkin, seit April 2006 UN-Botschafter in New York, ist mit einer früheren Balletttänzerin verheiratet und hat zwei Kinder. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2008)

 

 

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    Witali Tschurkin, Russlands UNO-Botschafter, ist sturmerprobt.

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